07.11.1895 in Schötmar - 22.04.1945 bei Oujda/Marokko
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Nathan und Selma Silberbach
Ehefrau: Christine Silberbach, geb. Schmidt (geb. 10.04.1903 in Hof)
Sohn: Haro Schmidt (geb. 03.07.1920 in Emmendingen i. B.)
Beruf: Viehhändler, Schlachter, Straßenarbeiter

 

WOHNORTE
Heiligenkirchen 80
Detmold
19.10.1932 Heidestr. 1 bei Blanke
01.10.1937 Krumme Str. 37 bei Frl. Moser
05.05.1939 nach Brüssel, Rue de la Rosse abgemeldet

 

Ernst Silberbach wurde nach dem Besuch der Volksschule Viehhändler und Schlachter. Am 5. Oktober 1926 heiratete er in Schötmar Christine Schmidt, die keine Jüdin war und einen Sohn hatte. Das Ehepaar Silberbach selbst hatte keine gemeinsamen Kinder.
Ernst Silberbach war mehrfach vor allem wegen Betruges vorbestraft. Von 1927 bis 1932 war er laut Auskunft seiner Ehefrau als Hilfsmaschinenarbeiter bei der Firma Neugarten & Eichmann tätig. 1929 meldete er die Gewerbe "Viehhandel" und "Aufkauf von Rohprodukten bei Geschäftsleuten" an. Sein Geschäft befand sich in der Heidestraße 1, wo er auch wohnte. Von 1931 bis 1935 war er als Unterhändler auf Provisionsbasis tätig. Im Dezember 1932 sei er laut Aussage Dritter der KPD beigetreten. Nach dem Machtantritt der NSDAP wurden seine beruflichen Betätigungsmöglichkeiten massiv eingeschränkt, so dass er u.a. als Straßenarbeiter, Handlanger und bei der Müllabfuhr arbeitete. Wiederum laut Aussage seiner Frau sei ihm Letzteres untersagt worden, da er keine Kasernen betreten durfte. Am 30. April 1935 wurde er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis durch das Oberlandesgericht Hamm verurteilt. Ihm wurde u.a. die Weitergabe und der Besitz illegaler Schriften und Zeitungen zu Last gelegt. Die Strafe verbüßte er bis zum 20. August 1936. Ein Vermerk vom 1. April 1938 in den Meldeunterlagen der Stadt dokumentiert, dass er fortan überwacht wurde: "Jeder Wohnungswechsel ist sofort der Geheimen Staatspolizei in Detmold mitzuteilen."
Im November 1938 erhielt er von der Gestapo den mündlichen Befehl, bis zum 1. Mai 1939 das deutsche Staatsgebiet zu verlassen, andernfalls drohe ihm KZ-Haft. Im Frühjahr 1939 floh er nach Brüssel, wohin ihm seine Frau folgte. Von Brüssel wurden sie nach Marneffe bei Huy mit weiteren 650 Leidensgenossen in einer früheren Kadettenschule eingewiesen. Nach dem Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg am 10. Mai 1940 wurde das Ehepaar Silberbach als deutsche Staatsangehörige durch belgische und französische Behörden in verschiedenen Lagern interniert. So wurde Christine Silberbach bis Juli 1940 in Gurs eingewiesen, Ernst hingegen kam nach St. Cyprien, dann nach nach Bas-en-Basset und darauf nach Marseille, Camp Ste. Marthe.
Ernst Silberbach wurde von Marseille am 3. Januar 1941 über verschiedene nordafrikanische Städte schließlich nach Oujda in Marokko gebracht. Dort arbeitete er in einer Kohlengrube. Weiteren Dokumenten zufolge war er vom 20. Mai 1941 bis 15. November 1941 in St. Sibsjbrien [sic] interniert war. Um der Gestapo auch in Marokko zu entgehen, legte er seinen Geburtsnamen ab und nahm Ende 1941 den Namen Jean (auch: Jan) van der Werke an. Er starb kurz vor Ende des Krieges bei Oujda.
1953 wurde er vom Amstgericht Detmold für tot erklärt. Als Todesdatum wurde der 22. April 1945 festgesetzt.


Seine Frau Christine siedelte im August 1943 nach Sotzweiler/Saar über.

   

QUELLEN StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 7168, D 20 B 28/68 Nr. 156, D 22 Detmold Nr. 6163, 6169, D 23 Detmold Nr. 4121, D 23 Lage Nr. 2600, D 103 Lippe Nr. 604, L 80 IIb Gr. II Tit. 1 Nr. 23 ; LAV NRW Westfalen; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 604; ZA B 1/34 Nr. 882; ITS

WEITERE QUELLEN Staatsanzeiger, 20.3.1920: Nachforschung nach dem Aufenthaltsort des Viehhändlers Ernst Silberbach aus Schötmar
Staatsanzeiger, 12.6.1920: Steckbrief gegen den Viehhändler Ernst Silberbach aus Schötmar

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Ernst und Christine Silberbach sowie Harro Schmidt (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Postkarte von Ernst Silberbach an seine Frau Christine, Colomb-Béchar (Algerien) o. D. (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 7168)

 

Dokument 3

Auszug aus der Korrespondenz zu Ernst Silberbach

 

   
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