B_Biographien

geb. 27.10.1879 in Detmold
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Sophie Schiff, geb. Goldstein und Bendix Schiff, Knopffabrikant
Ehemann: Fritz (Fischel) Besen (geb. 04.01.1877 in Podhajce, Galizien), Kaufmann
Kinder: Erich Bendix Besen (geb. 09.02.1910 in Düsseldorf); Kurt Salomon (geb. 29.05.1911 in Düsseldorf); Hildegard Lea Besen (geb. 10.06.1916 in Düsseldorf); Irma Sofia Besen (geb. 18.04.1920 in Düsseldorf)

WOHNORTE
Detmold, Lagesche Str. 147
12.07.1912 Düsseldorf, Gustav Poensgenstr. 41
09.11.1931 Düsseldorf, Sonnenstr. 56
07.03.1938 Langenberg 17
18.07.1939 Düsseldorf, Beuthstr. 4
01.08.1941 Düsseldorf, Teutonenstr. 9
08.11.1941 Abmeldung nach Minsk

 

 

Else Besen stammte aus Detmold und lebte mit ihrer Familie in Düsseldorf. Ihr Mann Fritz floh bereits am 7. März 1938 in die Niederlande. Dort wurde er 1942 verhaftet und nach Westerbork gebracht. Von dort wurde er nach Auschwitz deportiert.
Am 10. November 1941 wurde Else Besen zusammen mit ihrem Sohn Erich, der zuvor bereits Zwangsarbeit hatte leisten müssen, aus dem "Judenhaus" in der Teutonenstraße 9 im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel nach Minsk deportiert.

In diesem Deportationszug in das Ghetto von Minsk, der vom Derendorfer Güterbahnhof ab ging, befanden sich 992 Menschen, davon 627 aus Düsseldorf. Der Transport war vier Tage lang bei Außentemperaturen von etwa -12° unterwegs. Im Ghetto von Minsk starb in den ersten Monaten jeder Achte aufgrund des Nahrungsmangels bzw. an den daraus resultierenden Infektionskrankheiten. Den Transport vom November 1941 überlebten fünf Menschen. Es ist davon auszugehen, dass Else Besen nicht zu ihnen gehörte.

   

 

QUELLEN: LAV NRW OWL P 3|4 Nr. 891; StdA DT MK; Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf; StdA Düsseldorf; Arolsen Archives

LITERATUR: Schmidt, Herbert (2005), Fleermann, B. / Jakobs, H. (2015), Genger, Angela (2002).

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Einwohnermeldekarte für die Familie Besen in Düsselorf (StdA Düsseldorf)

 

Dokument 2

Transportliste aus dem Gestapobereich Düsseldorf nach Minsk, 10. November 1941 (1.2.1.1-11198886-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

 

Dokument 3

Inhaftierungsbescheinigung für Else Besen durch das Internationale Rote Kreuz, o. D. (Auszug aus der Korrespondenzakte , 6.3.3.2-105945313-ITS Digital Archives, Arolsen Archives)

Rufname: Martha
geb. 25.09.1903 in Heiligenkirchen/Detmold - 04.04.1943 in der Landesheilanstalt Eichberg
Religionszugehörigkeit: ev.
Eltern: Elise Beune, geb. Schönrock und Friedrich Beune (Kolon und Maler)
Beruf: Hausangestellte

 

WOHNORTE
Heiligenkirchen Nr. 92
Dortmund, Brückstr. 34

 

 

Martha Beune gehörte zu den psychisch Kranken, die der "Euthanasie"-Verbrechen zum Opfer fielen. Aufgrund der schwierigen Quellenlage lassen sich nur wenige Informationen zu den einzelnen Stationen ihres Lebensweges ermitteln und dokumentieren.
Martha Beune aus Heiligenkirchen litt laut Diagnose der Landesheilanstalt Eichberg an "Spaltungsirresein" (ein damals gebräuchlicher Begriff für Schizophrenie). Da dieser Befund jedoch auffallend häufig in der Anstalt Eichberg dokumentiert wurde, gilt er als medizinisch fragwürdig. In der Anstalt Eichberg wurden bereits seit 1849 geistig und psychisch Kranke behandelt, allerdings wurde diese Institution während der NS-Zeit zu einer der Zwischenanstalten, die sowohl eigene Patienten in die Tötungsanstalten wie Hadamar schickten, als auch Patienten anderer Anstalten vorübergehend aufnahmen, bevor sie ebenfalls dorthin verlegt und dort im Rahmen der sog. Euthanasie ermordet wurden. Die Belegungszahlen der Anstalt Eichberg stiegen im Laufe der Zeit derart, dass die Sterberate der Patienten infolge qualvoller Enge, durch Nahrungsmangel und medizinische Unterversorgung von 1939 auf 1940 deutlich höher lag als in den Jahren zuvor. Ab August 1941 fielen zahlreiche Patienten einer methodischen Unterernährung zum Opfer, und spätestens ab 1942 begannen Medikamentenmorde oder Tötung von Menschen durch eiskalte Bäder. Die Versorgung der noch Verbliebenen wurde sowohl in der Pflege als auch in ihrer Ernährung derart katastrophal, dass sich die Todesrate - wie intendiert - weiter dramatisch erhöhte. Ab 1943 wurden sogar die noch arbeitsfähigen Patienten auch in der Kriegsproduktion eingesetzt. Die höchsten Opferzahlen waren auf dem Eichberg von 1941 bis 1944 zu beklagen. In diesen Zeitraum fiel auch der Tod von Martha Beune. Insgesamt wurden 2.500 Menschen ermordet, davon 500 Kinder. Die Angaben zu den Todesursachen müssen zumeist als frei erfunden bezeichnet werden. 2.300 Patienten wurden nach Hadamar in den Tod geschickt.
Martha Beune starb am 4. April 1943 in der Anstalt Eichberg. Als Todesursache wurde "Siechtum bei Spaltungsirresein" angegeben. Sie wurde auf dem anstaltseigenen Friedhof am 9. April 1943 beigesetzt.

   

 

QUELLEN: LAV NRW OWL P 3|4 Nr. 2461; Landeswohlfahrtsverband Hessen (lwv-hessen.de) LWV-Archiv B 10 Nr. 110, 121; StdA Dortmund; Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden; www.ushmm.org; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Archivamt; StdA Eltville

WEITERE QUELLEN: https://www.gedenkort-t4.eu/de/historische-orte/2z5rq-landesheilanstalt-eichberg-vitos-rheingau-klinik-eichberg#karte

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Sterbeurkunde für Martha Beune, Erbach 5. 04.1943 (Hess. Staatsarchiv Marburg Best. 919 Nr. 1204)

geb. 23.04.1935 in Detmold
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Wilhelm (Fritz) Blumenthal (geb. 30.12.1901) und Ella Blumenthal, geb. Sostberg (geb. 05.10.1899)
Schwester: Ilse Blumenthal
Tante: Anna (Aenne) Sostberg

 

WOHNORTE
Horn, Nordstr. 28
10.12.1941 Detmold

 

Während sein Vater nach Frankreich und Belgien fliehen konnte, wurde Gerhard Blumenthal mit seiner Schwester, seiner Mutter und der unverheirateten Tante Anna Sostberg von Detmold aus am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Noch im Oktober 1941 hatte Ella Blumenthal einen Auswanderungsantrag für sich und ihre Kinder nach Brüssel gestellt, der mit "Rücksicht auf die kommende Endlösung der Judenfrage" abgelehnt wurde, so ein Zitat aus einem Ermittlungsverfahren gegen den damaligen SS-Obersturmbannführer Richard Hartmann.
Möglicherweise wurden sie zusammen von Riga nach Auschwitz deportiert.

Sie wurden 1950 vom Amtsgericht Horn für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Wilhelm (Fritz) Blumenthal konnte während seiner Deportation entkommen und emigrierte 1946 in die USA.

   

QUELLEN: LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 87 Nr. 10 Bd. I, D 103 Lippe Nr. 678-680; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 678, 679; ZA B 1/34 Nr. 882; ITS

 

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geb. 12.05.1936 in Detmold
Religionszugehörigkeit: unbekannt
Eltern: Hulda Berta Braun, geb. Reichmann, Artistin aus Halle a. d. Saale und Fritz Braun, Schausteller und Kraftfahrer aus Stettin

WOHNORTE
Detmold u. a.

 

 

Anton Braun wurde als nichteheliches Kind der Artistin Hulda Reichmann in Detmold geboren. Der Beruf seiner Mutter bedingte häufige Ortswechsel. Am 4. März 1938 erkannte Fritz Braun vor dem Amtsgericht Ingolstadt offiziell seine Vaterschaft an. Am 15. Juni 1940 heiratete Hulda Reichmann Fritz Braun in Obernitz, Kreis Brüx (heute Tschechien). Damit erhielt Anton Braun den Status eines ehelichen Kindes.

Anton Braun wurde im Alter von sieben Jahren nach Auschwitz deportiert. Dort
kam er am 17. März 1943 an und wurde mit der Häftlingsnummer Z-3887 als Zigeuner registriert. Der letzte Eintrag für ihn findet sich mit Datum des 17. August 1943 im Häftlingskrankenbau des Zigeunerlagers Blle Birkenau.
Am 2. und 3. August 1944 wurden alle nicht arbeitsfähigen Menschen im sog. Zigeunerlager in Auschwitz ermordet. Die noch arbeitsfähigen Häftlinge waren kurz zuvor ins Deutsche Reich transportiert worden, um dort ihre Arbeitskraft weiterhin auszubeuten.
Falls Anton Braun seine dokumentierte Erkrankung aus dem Jahr 1943 überlebt hatte, wäre er zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt gewesen. Es ist davon auszugehen, dass er wegen seiner Erkrankung als "nicht arbeitsfähig" eingestuft wurde und damit zu den Menschen gehörte, die am 2./3. August 1944 im Rahmen der Liquidierung des "Zigeunerlagers" ermordet wurden.

Sein Vater Fritz Braun wurde am 21. August 1944 in das Konzentrationslager Mittelbau-Dora (Häftlingsnr. 74218) in der Häftlingskategorie "Aso Z" (Asozialer, Zigeuner) eingewiesen und am 6. März 1945 nach Bergen-Belsen überstellt.
Über das Schicksal seiner Mutter Hulda Braun ist nichts bekannt.

   

 

QUELLEN: LAV NRW OWL P 3|4 Nr. 950; Archiv und Museum der Gedenkstätte Auschwitz; Arolsen Archives; https://www.sintiundroma.de; https://www.ushmm.org

WEITERE QUELLEN: https://www.sintiundroma.org/de/auschwitz-birkenau/widerstand-und-liquidierung/

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Aufstellung aus dem Häftlingskrankenbau des sog. Zigeunerlagers in Auschwitz-Birkenau (Akten des SS-Hygiene-Instituts, Archiv und Museum der Gedenkstätte Auschwitz)

Dokument 2

Inhaftierungsbescheinigung für Anton Braun durch das Internationale Rote Kreuz, 19. 08.1976 (Auszug a. d. Korrespondenzakte, 6.3.3.2-110532613-ITS Digital Archives, Arolsen Archives)

geb. 06.10.1936 in Detmold
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Wilhelm (Fritz) Blumenthal (geb. 30.12.1901) und Ella Blumenthal, geb. Sostberg (geb. 05.10.1899)
Bruder: Gerhard Blumenthal
Tante: Anna (Aenne) Sostberg

 

WOHNORTE
Horn, Nordstr. 28
10.12.1941 Detmold

 

Während ihr Vater nach Frankreich und Belgien fliehen konnte, wurde Ilse Blumenthal mit ihrem Bruder, ihrer Mutter und der unverheirateten Tante Anna Sostberg von Detmold aus am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Noch im Oktober 1941 hatte Ella Blumenthal einen Auswanderungsantrag für sich und ihre Kinder nach Brüssel gestellt, der mit "Rücksicht auf die kommende Endlösung der Judenfrage" abgelehnt wurde, so ein Zitat aus einem Ermittlungsverfahren gegen den damaligen SS-Obersturmbannführer Richard Hartmann.

Möglicherweise wurden sie zusammen von Riga nach Auschwitz deportiert.
Sie wurden 1950 vom Amtsgericht Horn für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Wilhelm (Fritz) Blumenthal konnte während seiner Deportation entkommen und emigrierte 1946 in die USA.

   

QUELLEN: StdA MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 87 Nr. 10 Bd. I, D 103 Lippe Nr. 678-680; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 678, 679; ZA B 1/34 Nr. 882; ITS

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Auszug aus der Korrespondenz zu Ilse Blumenthal

 

 

Dokument 2

Auszug aus der Korrespondenz zu Ilse Blumenthal

 

   
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