E_Biographien

02.10.1894 in Bielefeld - 18.05.1943 im Konzentrationslager Sachsenhausen
Religionszugehörigkeit: evangelisch
Eltern: Heinrich Echterhoff und Louise Echterhoff, geb. Prütersmeyer
Ehefrau: Johanna (Hanna) Echterhoff, geb. Gilbrink (geb. 23.09.1893 in Waddenhausen), Näherin
Beruf: Maschinenschlosser, Werkmeister

 

WOHNORTE
Bielefeld, Stadtheider Str. 43
29.09.1900 Bielefeld, Wittekindstr. 21
08.10.1919 Abmeldung nach Herford
11.10.1920 aus Gütersloh wieder Wittekindtsr. 21
25.12.1920 Ahlen/Westf.
05.04.1922 aus Konitz/Polen zurück
06.11.1922 nach Frankfurt/Oder abgemeldet
19.05.1925 aus Marky/Österreich zurück
15.07.1925 abgemeldet nach Lommatsch
20.09.1926 aus Jugoslawien zurück
von Gütersloh i. W.
05.07.1941 Detmold, Feldstr. 34
Lügde, Vordere Str. 281

 

Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte Erich Echterhoff drei Semester am Technikum und machte von 1908 bis 1912 eine Schlosserlehre in Bielefeld. Seine letzte Arbeitsstelle befand sich in Hannover. Er war ein überzeugter Gegner des NS-Staates und laut Aussagen seiner Ehefrau SPD-Mitglied. 1933 wurde er wegen Beleidigung und staatsfeindlicher Äußerungen in sog. Schutzhaft genommen. Von SS-Angehörigen wurde er wegen seiner politischen Äußerungen verprügelt. 1935 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Erich Echterhoff wegen staatsfeindlicher Äußerungen eingestellt.
1936 heiratete er Hanna Gilbrink. Wiederum wegen staatsfeindlicher Äußerungen und wegen Zeigen des Kommunistengrußes wurde er am 15. Juli 1937 vom Oberlandesgericht Breslau zu einer Haftstrafe verurteilt, die er verbüßte. 1938 wollte Echterhoff sich der Ludendorff-Bewegung anschließen. Im September 1939 wurde er durch die Gestapo wegen seiner Betätigung für die Partei festgenommen und vom Polizeigefängnis Höxter nach Sachsenhausen überstellt. Dort war vom 19. November 1939 bis 22. Januar 1940 inhaftiert (Häftlingsnummer 3893, Häftlingsblock 24). Am 3. Februar 1940 wurde er vom Sondergericht Dortmund wegen Verstoßes gegen das sog. Heimtückegesetz - er hätte einem "Arbeitskameraden" gegenüber u. a. geäußert: "Das Dritte Reich wird auch einmal zugrunde gehen, dann kommen wir dran. Dann reden wir auch mal mit." - zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wurde in verschiedenen Arbeitskommandos des Strafgefangenlagers Oberems in Gütersloh (u. a. in Mastholte und Harsewinkel) eingesetzt. Wiederholt habe er dort seine Verurteilung als lächerlich dargestellt und sei durch eine gleichgültige Haltung gegenüber der Arbeit und dem Strafvollzug aufgefallen. Ein Antrag seiner Ehefrau auf Gnadenerweis vom 27. September 1940 wurde abgelehnt. Im September 1941 wurde er laut dem von seiner Witwe gestellten Entschädigungsantrag erneut verhaftet und war im Polizeigefängnis Detmold inhaftiert. Nach drei Wochen wurde er der Bielefelder Gestapo übergeben.
Die nur unvollständig erhalten gebliebenen Akten von Sachsenhausen dokumentieren, dass Erich Echterhoff am 8. April 1943 in das dortige Krankenrevier gebracht (Häftlingsnummer 13389) worden war. Wann er wieder nach Sachsenhausen überstellt wurde, ist hingegen nicht überliefert. Er starb, durch eine frühe Malariainfektion ohnehin in geschwächter körperlicher Konstitution, wenige Wochen später. Als offizielle Todesursache wurde Lungenentzündung angegeben.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 22 Bielefeld Nr. 94; D 106 Detmold A Nr. 2667; Lars Lüking (LAV NRW OWL); KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 23, 24; Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen; ITS

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Erich und Hanna Echterhoff (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Karteikarte zu Erich Echterhoff

 

Dokument 3

Liste der erkrankten Häftlinge im KZ Sachsenhausen

 

Dokument 4

Auszug aus der Veränderungsmeldung im KZ Sachsenhausen

23.04.1867 in Waltrop/Recklinghausen - 12.03.1944 im Konzentrationslager Theresienstadt
Religionszugehörigkeit: jüdisch

WOHNORTE
Von Hannover, Landstr.8
28.09.1939 Detmold, Paulinenstr. 10
22.10.1939 nach Hannover
Von Hannover, Georgstr. 48
15.03.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Hirschfeld
01.04.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet
06.06.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Israel (sic) Hirschfeld
17.06.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet
Hannover, Josefstr. 22
11.09.1941 Detmold, Paulinenstr. 10
17.09.1941 nach Hannover, Josefstr. 22 abgemeldet
Letzte Adresse: Hannover-Ahlem, Wunstorferstr. 1 (eines der sog. Judenhäuser)

 

In den Meldeunterlagen der Stadt Detmold wurde vermerkt, dass ihr "Aufenthalt nur besuchsweise" war. Am 24. Juli 1942 wurde Paula Ems mit dem Transport Nr. VIII/1 von Hannover nach Theresienstadt deportiert, wo sie fast 77jährig umkam.

   

QUELLEN: StdA DT MK; Beit Theresienstadt; ITS

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Paula Ems (StdA DT MK)

 

Dokument 2

ITS-Karteikarte von Pauline Ems

 

Dokument 3

Vermerk der Einäscherung von Pauline Ems in Theresienstadt

Von

 

geb. 06.06.1878 in Detmold
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Simon Examus (geb. 12.05.1834) und Bertha Examus, geb. Blank (geb. 14.04.1842)
Geschwister: Gustav Examus (geb. 23.01.1864), Albert Examus (geb. 07.06.1866), Selma Examus (geb. 27.02.1869), Bertha Examus (geb. 16.08.1874), Martha Marianne Herzberg, geb. Examus (geb. 10.04.1875), Rosa Examus (geb. 11.01.1877), Else Wertheim, geb. Examus (geb. 05.02.1885)
Ehefrau: Emmy Examus, geb. Salomon
Tochter: Ursula Markus, geb. Examus (01.04.1914 - 04.04.1996)
Beruf: Kaufmann, Getreidehändler

 

WOHNORTE
Detmold:
Mühlenstr. 8
13.04.1895 nach Elzen abgemeldet
06.04.1898 Mühlenstr. 8
25.09.1901 abgemeldet nach Barsinghausen
20.10.1903 Mühlenstr. 8
01.08.1905 Mühlenstr. 21 bei Müller
01.04.1910 Bahnhofstr. 2 bei Hartmann
Vermerk: war nicht abgemeldet vom Militär
18.12.1918 Bahnhoftsr. 4
01.04.1936 Woldemarstr. 10
02.01.1939 Paulinenstr. 23 bei Salomon
19.10.1939 Paulinenstr. 10 bei Hirschfeld
30.03.1942 "nach unbekannt abgemeldet"

 

Laut den Meldeunterlagen der Stadt war David Examus seit  April 1898 in Detmold ansässig. Die Familie war im Getreide- und Viehhandel tätig. David Examus war 1907 in die Firma seines Bruders Gustav eingetreten. 1910 heiratete er Emmy Salomon. 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt.
1924 gründete David eine OHG. Hinzu kam im selben Jahr Paul Eickelmann als persönlich haftender Gesellschafter, mit dem er zuvor als Angestellter in der Getreidehandlung des Bruders am Kronenplatz gearbeitet hatte. Die Firma (Detmold, Wotanstr. 2) war nun unter dem Namen "David Examus & Eickelmann" im Handelsregister eingetragen. Am 22. August 1933 schied Paul Eickelmann aus "rassisch-politischen Gründen" aus der Firma aus, und David war nunmehr alleiniger Inhaber. Am 4. Januar 1937 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Nachdem er seiner bisherigen beruflichen Existenz beraubt worden war, erwarb er ein Doppelhaus in der Moltkestraße 30, um dort ein Mädchenpensionat einzurichten. In der städtische Meldekartei findet sich unter Rubrik "Beruf" der Eintrag "Getreidehändler jetzt Hilfsarbeiter". David Examus musste nun in der Firma Hermann Schnittger KG, Matratzenfabrik, in Detmold Zwangsarbeit leisten.
Bereits im Februar 1933 wurden "bei Examus", wie es hieß, Fensterscheiben eingeschlagen. Zwei Jahre später erging sich die Lippische Staatszeitung in Diffamierungen, u. a. wurde David Examus der sog. Rassenschande bezichtigt. Sein Wohnhaus, die sog. Sinalco-Villa in der Bahnhofstraße, verließ er 1936 zusammen mit seiner Familie. Während des Novemberpogroms wurde er verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 29037) deportiert, wo er bis zum 22. November 1938 inhaftiert war. Am 30. März 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau nach Warschau deportiert. David Examus war laut Zeugenaussage bereits im April d. J. erkrankt und wurde in das sog. Krankenhaus im Ghetto eingeliefert. Emmy Examus musste bei der Fa. Többens und Schulz Zwangsarbeit leisten. Beide wurden in das Vernichtungslager Treblinka deportiert.

Vom Amtsgericht Detmold wurden sie 1950 für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Seine Tochter Ursula emigrierte 1934 nach England und ein Jahr später nach Palästina.
Sein Bruder Gustav Examus emigrierte nach Brasilien.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 2 C DT Nr. 104, 106, D 20 A Nr. 10243-10245, D 20 B Nr. 1020, 3759, D 23 Detmold Nr. 5160, D 23 Detmold Nr. 3985 9551, D 27 Nr. 231, 3065, D 87 Nr. 15; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 770; ZA B 1/34 Nr. 847, 857, 1061; ITS

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 103 Nr. 770, 771, D 106 Nr. 50; Amtsblatt, 20.07.1907: HR (51) Eintritt des David Examus in die Fa. Gustav Examus
LZ , 23.07.1909: Verlobungsanzeige Emmy Salomon und David Examus
LZ, 01.04.1914: Geburtsanzeige einer Tochter durch David Examus und Frau Emmy, geb. Salomon
Staatsanzeiger, 16.07.1924: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus Eintrag. Handel in Getreide, Futtermittel etc.
hinzu als Gesellschafter Paul Eickelmann: Fa. David Examus & Eickelmann
Staatsanzeiger, 25.11.1933:HR (A 454), AG DT David Examus & Eickelmann
Ausscheiden des Paul Eickelmann
07.07.1934: Fa. geändert in David Examus
LStZ, 10.08.1935: "Ein Judenknecht in Remmighausen. Sally aus Horn und David aus Detmold gerngesehene Gäste"
LStZ, 14.08.1935: "Jud Examus als Rasseschänder"
Staatsanzeiger, 16.01.1937: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus, Detmold, ist erloschen

LITERATUR: Lettermann (1998), Lebensläufe (1993)

 

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Portrait: EXAMUS, David

Emmy und David Examus, o.J. (StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von David, Emmy und Ursula Examus (StdA DT MK)

 

Dokument 2

ITS-Karteikarte von David Examus

 

20.03.1874 in Breslau - 29.09.1942 im Konzentrationslager Theresienstadt
Religionszugehörigkeit: zunächst jüdisch, zum Christentum übergetreten
Eltern: Jenny Epstein, geb. Silbermann und Julius Epstein, Kaufmann und Makler
Geschwister: Walter Epstein (geb. 1877), Schwestern
Ehefrau: Hertha Helene Emilie von Eppstein, geb. Reimann (21.08.1879 in Guhrau/Schlesien -  2.08.1937 in Berlin)
Tochter: Ingeborh Hertha Helene von Eppstein (08.03.1909 in Berlin - 07.03.1922 in Berlin)
Beruf: Journalist, Schriftsteller, Chef des Geheimen Kabinetts Leopold IV. zur Lippe



WOHNORTE
Breslau
1901 Berlin
05.12.1912 Detmold, Schlossplatz 5 (Pavillon 5)
01.06.1921 mit Familie nach Berlin-Lichterfelde, Potsdamerstr. 32 abgemeldet
Berlin, Oranienburgerstr. 31

 

 

In Breslau wurde er als Georg Johannes Friedrich Epstein als Sohn jüdischer Eltern geboren, allerdings spielte die Religionszugehörigkeit wohl eher keine Rolle. Nach eigenen Angaben, die bislang jedoch nicht anhand von Dokumenten verfiziert werden können, besuchte er in seiner Geburtsstadt das Realgymnasium sowie das Johannesgymnasium. Auch  sein Abitur und sein Studium in Breslau oder Berlin können bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Georg Epstein arbeitete in den Jahren 1896/96 als Redakteur bei der "Tilsiter Allgemeinen Zeitung" und gab in diesem Zeitraum einen ersten Gedichtband ("Erste Wanderfahrten", 1896) heraus, dem weitere folgen sollten ("Fallendes Laub", "Else, ein Liederreigen" und "Im Vorübergehen"). Seinen Militärdienst leistete er 1897/98 in Königsberg, bevor er ab 1898 als Feuilleton-Redakteur bei der "Breslauer Frauenzeitung" arbeitete. Im Jahr 1901 siedelte er nach Berlin, wo er nicht nur Schriftleiter der "Neuen Politischen Correspondenz" tätig war, sondern auch zum Dr. phil. promoviert wurde (Promotionsverfahren und Thema sind bislang nicht nachweisbar).
Am 9. März 1901 sagte sich Georg Epstein vom jüdischen Glauben los und trat zum christlichen Glauben über. Seine Taufe fand in der Jerusalemgemeinde in Berlin-Kreuzberg statt. Nur wenige Tage später, am 16. März 1901, heiratete er die nichtjüdische Hertha Reimann aus Guhrau. 1904 wurde er Mitglied des renommierten heraldischen Vereis "Herold" zu Berlin und setzte in den folgenden Jahren seine schriftstellerischen und journalistischen Artbeiten fort. So trat Epstein 1904 nicht nur als Mitherausgeber des "Deutschen Ordens-Almanach" in Erscheinung, sondern knüpfte erste Verbindungen nach Lippe durch sein journalistisches Engagement für die "Biesterfelder Sache" im Rahmen der letzten Phase des Lippischen Thronfolgestreits. 1905 erfolgte die Herausgabe seines Romans "Märchenmenschen". Im Mai 1912 wurde Georg Epstein zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinettmit dem Titel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstlichen Hofmarschallamt" ernannt. Wenige Monate später, im November 1912, siedelte er mit seiner Frau und seiner 1909 geborenen Tochter Ingeborg nach Detmold über, wo ihm eine steile Karriere als enger Berater des Fürsten Leopold IV. zur Lippe bevorstand. 1913 wurde er Mitglied der Akademie der gemeinnützige Künste zu Erfurt. Während seines Einsatzes im Ersten Weltkriegs erhielt er zahlreiche Orden und Auszeichnungen und wurde enstprechend befördert. Am 25. Oktober 1915 wurde er unter dem Namen "von Eppstein" nobilitiert. Im Januar 1917 erfolgte die Verleihung des Titels "Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz". Sein gesellschaftlicher Aufstieg rief Neider und Kritiker auf den Plan, die ihre antisemitische Grundhaltung deutlich zum Ausdruck brachten. Georg von Eppstein wurde am 2. Februar 1917 die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Erlangen verliehen. Im selben Jahr wurde ihm zudem der Professoren-Titel durch den lippischen Landesherrn verliehen. Am 12. November 1918 wurde er in den Freiherrnstand erhoben. Nach der Revolution 1918, die der sehr konservative, kaisertreue und patriotische Eppstein als "militärischen und staatlichen Zusammenbruch" bezeichnte, und dem Thronverzicht Leopolds IV. wurde dieser im Juni 1921 aus den Fürstlichen Diensten entlassen und zog mit seiner Familie nach Berlin-Lichterfelde, wo er wiederum als freier Schriftsteller tätig war. Trotz seiner Herausgeber- und Autorentätigkeiten (Herausgabe u. a. von Gedichtbänden und Überarbeitung älterer Werke) setzte von Eppstein auch von Berlin aus seine Beratertätigkeit für den ehemaligen lippischen Landesherrn fort und vertiefte einmal mehr damit die Verbindung zur fürstlichen Familie, insbesondere zu Leopold IV. Im Jahr 1934 erfolgte die Herausgabe seines letzten Buches "Von Draußen und Drinnen" in der Detmolder Meyerschen Hofbuchhandlung von Max Staercke; zwei Jahre später, 1936, erschien zusammen mit Staercke eine Biografie über den Prinzen Bernhard zur Lippe.
Der Tod von Eppsteins Frau am 2. August 1937 war nicht nur ein schwerer persönlicher Schlag, sondern bedeutete für ihn, der sich nie im Judentum verankert sah, den Verlust der Privilegien von in sog. Mischehe lebenden "Rassejuden", die ihn bis dahin vor antisemitischen Ausgrenzungen und Drangsalierungen einen gewissen Schutz gewährt hatten. Die zunehmenden Repressalien nach dem Novemberpogrom 1938 durch den NS-Staat brachten ihn nicht nur in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Ein Versuch Leopolds IV. zur Lippe von Eppstein Flucht und Existenz in den Niederlanden durch Hilfe seines Neffen, den Prinzen Bernhard der Niederlande, zu ermöglichen, scheiterte, da dieser die drohenden Gefahren als nicht so dringlich befand. Am 14. März 1941 wurde Georg von Eppstein durch das Reichsinnenministerium nicht nur die Namensänderung, sondern auch die Standeserhöhungen aberkannt, so dass er nunmehr zwangsweise den Namen Georg Israel Epstein führen musste. Als 1942 seine Deportation drohte, versuchte Leopold IV. zur Lippe nochmals seinen Berater und Freund zu retten. Doch auch seine Eingabe vom 12. März 1942 an den Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers, einem Jugendfreund Eppsteins, blieb erfolglos. Am 26. Juni 1942 wurde Georg Eppstein, der inzwischen auf einem Auge erblindet war, verhaftet und in das Altenheim der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Großen Hamburger Straße 26 verbracht, das zum Sammellager für die zur Deportation bestimmten Juden umfunktioniert worden war.

Am 2. Juli 1942 wurde Georg Epstein mit dem Transport I/14-600 von Berlin nach Theresienstadt deportiert, wo er nach wenigen Wochen umkam. Laut Todesfallanzeige des dortigen Ältestenrates starb er an Herzschwäche. Weitere Quellen nennen "Darminfektion" als offizielle Todesursache.

   

QUELLEN: LAV NRW OWL D87 Nr. 30, 31, 52; FLA Nr. 155; Bundesarchiv Berlin; Geheimes Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz Berlin; Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum"; OFD Berlin; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Beit Theresienstadt; ITS; www.holocaust.cz; Stefan Wiesekopsier (Bad Salzuflen)

WEITERE QUELLEN: Amtsblatt, 30.05.1912: Ernennung des Prof. Dr. phil. Georg Epstein, Leutnant der Reserve im 4. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 51, Berlin zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinett und Hofmarschallamt mit Diensttitel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstl. Hofmarschallamt" durch den Fürsten
Amtsblatt, 18.09.1912: Genehmigung des Fürsten für Prof. Dr. Epstein, z.Zt. Berlin, zur Annahme des Kommandeurkreuzes mit Krone des Königl. Bulgarischen Zivilverdienstordens
Amtsblatt, 19.03.1913: Erlaubnis zur Anlegung des Offizierskreuzes des Herzogl. Ordens Heinrichs des Löwen für Prof. Dr. Epstein
Amtsblatt, 04.06.1913: Verleihung des Ehrenkreuzes 2. Klasse des Fürstl. Lipp. Hausordens an Prof. Dr. Epstein
LZ, 27.02.1915: Detmold. "Der Geheime Kabinettsrat Professor D. Epstein, der als Leutnant und Ordonanzoffizier beim Generalkommando eines Reservearmee-Korps auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpft, hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten."
Amtsblatt, 03.03.1915: Verleihung des Lipp. Kriegsverdienstkreuzes an Geh. Kabinettsrat Prof. Dr. Epstein, Leutnant d.R. a.D.
Amtsblatt, 25.09.1915: Verleihung des Fürstl. Lipp. Kreigsehrenkreuzes für heldenmutige Tat an Oberleutnant Epstein, Ordonnanzoffizier beim Generalkommando des VII. Armeekorps
Amtsblatt, 06.11.1915: Ernennung Prof. Dr. Epsteins zum Chef des Geheimen Zivilkabinetts mit dem Rang eines Rates I. Klasse
Amtsblatt, 06.11.1915: Verleihung des erblichen Adels unter dem Namen "von Eppstein" an Prof. Dr. Epstein
LTZ, 06.11.1915: Detmold. "Geheimes Zivilkabinett"
Erblicher Adel für Prof. Dr. Epstein
Fürstl. Lipp. Kalender 240. Jg., 1916 Beilage: "Ehrentafel lippischer Helden"
Oberleutnant a.D. Epstein - Detmold (Biogr.) und Foto
Staatsanzeiger, 13.01.1917: Verleihung des "Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz" an Prof. Dr. von Eppstein
LTZ, 11.02.1919: Erklärung von Eppsteins gegen ein den Zeitungen beiliegendes Flugblatt bezügl. seiner Tätigkeit als Kabinettschef


LITERATUR: Georg Epstein: Else, ein Roman in Versen, 1899
Ders.: Fallendes Laub. Novellen, Berlin 1900.
Ders.: Ins neue Land ..., Berlin 1917. [Roman]
Ders.: Erste Wanderfahrten Gedanken und Skizzen
Ders.: Im Vorübergehn, Neue Gedanken und Skizzen
Kittel (1978)
"Wer ist`s", hrsg. von Hermann A. L. Degener, 10. Ausg. A-K, Berlin 1935
"Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser", Teil B, Gotha 1921, S. 209 und Gotha 1933, S. 109
Reichold (1977)

 

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Portrait: EPPSTEIN, Georg Johannes Friedrich Freiherr von

Georg von Eppstein, 1919
(StdA DT DT V 19 Nr. 199)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Georg, Hertha und Ingeborg von Eppstein (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Todesfallanzeige für Georg von Eppstein, Theresienstadt 26.09.1942 (Nationalarchiv Prag HBMa, Inv. Nr. 2956 - digitalisiert von der Theresienstädter Initiative, Prag )

 

Dokument 3

Auszug aus der Korrespondenz zu Georg Eppstein

 

geb. 12.08.1886 in Detmold
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Simon und Selma Salomon
Geschwister: Siegfried Salomon, Karl Salomon, Käthe Salomon, Martha Salomon
Ehemann: David Examus
Tochter: Ursula Markus, geb. Examus (01.04.1914-04.04.1996)

 

WOHNORTE
Detmold:
18.12.1918 Bahnhofstr. 4
01.04.1936 Woldemarstr. 10
02.01.1939 Paulinenstr. 23 bei Salomon
19.10.1939 Paulinenstr. 10 bei Hirschfeld
30.03.1942 "nach unbekannt abgemeldet"

 

Emmy Salomon war die Tochter des Bankiers Salomon und wurde in Wiesbaden in einer Pension ausgebildet. 1910 heiratete sie den Getreide- und Viehhändler David Examus. 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt. Ihre Familie war von Beginn der NS-Herrschaft zahlreichen Diffamierungen ausgesetzt. So wurden bereits im Februar 1933 "bei Examus", wie es hieß, Fensterscheiben eingeschlagen. Ihr Mann wurde der sog. Rassenschande bezichtigt und während des Novemberpogroms verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt, wo er bis zum 22. November 1938 inhaftiert war.
Am 30. März 1942 wurde Emmy Examus zusammen mit ihrem Ehemann nach Warschau deportiert. Während David Examus laut Zeugenaussage bereits im April d. J. erkrankte und in das sog. Krankenhaus im Ghetto eingeliefert worden war, musste sie Zwangsarbeit für die Fa. Többens und Schulz leisten. Beide wurden in das Vernichtungslager Treblinka deportiert.

Vom Amtsgericht Detmold wurden beide 1950 für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Ihre Tochter Ursula emigrierte 1934 nach England und ein Jahr später nach Palästina.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 2 C DT Nr. 104, 106, D 20 A Nr. 10243-10245, D 20 B Nr. 1020, 3759, D 23 Detmold Nr. 5160, D 23 Detmold Nr. 3985 9551, D 27 Nr. 231, 3065, D 87 Nr. 15; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 771; ZA B 1/34 Nr. 847, 857, 1061; ITS

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 103 Nr. 770, 771, D 106 Nr. 50; Amtsblatt, 20.7.1907: HR (51) Eintritt des David Examus in die Fa. Gustav Examus
LZ , 23.07.1909: Verlobungsanzeige Emmy Salomon und David Examus
LZ, 01.04.1914: Geburtsanzeige einer Tochter durch David Examus und Frau Emmy, geb. Salomon
Staatsanzeiger, 16.07.1924: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus Eintrag. Handel in Getreide, Futtermittel etc.
hinzu als Gesellschafter Paul Eickelmann: Fa. David Examus & Eickelmann
Staatsanzeiger, 25.11.1933:HR (A 454), AG DT David Examus & Eickelmann
Ausscheiden des Paul Eickelmann
07.07.1934: Fa. geändert in David Examus
LStZ, 10.08.1935: "Ein Judenknecht in Remmighausen. Sally aus Horn und David aus Detmold gerngesehene Gäste"
LStZ, 14.08.1935: "Jud Examus als Rasseschänder"
Staatsanzeiger, 16.01.1937:HR (A 454), AG DT Fa. David Examus, Detmold, ist erloschen

LITERATUR: Lettermann (1998), Lebensläufe (1993)

 

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Portrait: EXAMUS, Emmy, geb. Salomon

Emmy und David Examus, o.J. (StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von David, Emmy und Ursula Examus (StdA DT MK)

 

   
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