29.03.1908 in Elberfeld - 24.11.1941 im Konzentrationslager Groß-Rosen
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Eltern: Emil Goldschmidt (gest. am 01.03.1944 in Theresienstadt) und Rosa Goldschmidt, geb. Eichmann (gest. 1936 in Elberfeld)
Anerkannter Vater: Werner Berg
Beruf: Angestellter, Kaufmann

 

WOHNORTE
Detmold:
10.10.1931 Rosental 7
01.11.1932 Hermannstr. 35 bei Kligge
15.12.1933 Bahnhofstr. 4 bei Examus
01.05.1935 Wotanstr. 1 bei Klöpper
15.04.1936 Paulinenstr. 21 bei Buchholz
28.11.1936 nach Heidelberg abgemeldet
1938 Wuppertal, Kaiser Wilhelm Allee 14
1939 Wuppertal, Roonstr. 22

Vermerk vom 9.12.1938: Führ[ungs] Zeugnis angefordert. Nach Wuppertal-Elberfeld Kaiser-Wilhelm Allee 14

 

Lothar Goldschmidt war Angestellter der Firma Neugarten & Eichmann in Detmold. 1936 zog er nach Heidelberg und von dort aus zu seinem Vater nach Wuppertal-Elberfeld. Zu Lothar Goldschmidts Verfolgung finden sich unterschiedliche Informationen: Laut den Informationen des ITS wurde er als sog. Aktions-Jude bei den Ausschreitungen des Novemberpogroms verhaftet, wurde am 11. November 1938 in "Schutzhaft" genommen und am 16. November 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 21878) überstellt. Vermutlich liegt hier eine Namensgleichheit unterschiedlicher Personen vor. Denn den Unterlagen der Gedenkstätte Dachau zufolge, wurde Lothar Goldschmidt am 17. November 1938 mit der Haftnummer 29603 in Dachau registriert, wo er bis zum 2. Dezember 1938 in Haft war. Dies wird auch durch die für ihn angelegte Gestapoakte bestätigt.
Laut dieser Gestapoakte versuchte er, nach seiner Haft Anfang 1939 nach New York auswandern. Die Abreise war bereits auf den 15. April 1939 festgelegt. Allerdings wurde er der  sog. Rassenschande bezichtigt und am 15. April 1939 im Strafgefängnis Wuppertal in Untersuchungshaft genommen. Am 8. September 1939 wurde er vom Landgericht Wuppertal zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt, die er in Münster verbüßte. Dort wurde er noch Anfang 1940 aufgefordert, erneut seine Auswanderung einleiten zu lassen.
Nach Verbüßung der Strafe am 19. Oktober 1940 wurde er wiederum in "Schutzhaft" genommen. Mehrfache Gesuche seines Vaters durch Vorlage von Auswanderungspapieren nach Haiti bzw. Shanghai, den Schutzhaftbefehl für seinen Sohn aufzuheben, um damit eine Überstellung in das Konzentrationslager Sachsenhausen zu verhindern, wurden nach "Schutzhaftprüfungsterminen" und wiederholter "Schutzhaftverlängerung" abgelehnt. Auch der Hinweis des Vaters, dass die gesamte Familie Goldschmidt "für immer" Deutschland verlassen wolle (seine Tochter lebte bereits in den USA), blieb erfolglos. Emil Goldschmidts Ausreise wurde durch den NS-Staat in direkte Abhängigkeit zu der Entlassung seines Sohnes gestellt: Da dieser nicht entlassen wurde, konnte auch er Deutschland nicht verlassen. Emil Goldschmidt wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er umkam.

Lothar Goldschmidt wurde am 23. November 1940 in das Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg (Häftlingsnummer 34287) überstellt. Von dort wurde er am 11. August 1941 mit einhundert weiteren Häftlingen in das Konzentrationslager Groß-Rosen verschleppt, wo er am 24. November 1941 umkam. Als offizielle Todesursache wurde "akuter Magendarmkatarrh in Verbindung mit Kreislaufschwäche" angegeben. Seine Urne wurde am 12. Januar 1942 auf dem jüdischen Friedhof in Elberfeld beigesetzt.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D107 Nr. 17; IST; KZ-Gedenkstätte Dachau; LAV NRW Rheinland RW 58 Nr. 58632; Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Russisches Staatliches Militärarchiv, Moskau 1367/196, Bl. 447; Sign. im Archiv Sachsenhausen D 1 A/1196, Bl. 447; Archiwum Muzeum Gross-Rosen MGR-A, Sygn. 6819/DP; Transport der Häftlinge aus KL Sachsenhausen in KL Gross-Rosen und MGR-A; Sygn. 1855/DP - Sterbebuch KL Gross-Rosen sowie Sterbeurkunde

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Lothar Goldschmidt (StdA DT MK)

 

Dokument 2

ITS-Karteikarte von Lothar Goldschmidt

 

Dokument 3

ITS-Karteikarte von Lothar Goldschmidt

 

Dokument 4

Liste der Strafvollzugsanstalt Münster

 

Dokument 5

Auszug aus der Korrespondenz zu Lothar Goldschmidt

 

Dokument 6

Sterbeurkunde von Lothar Goldschmidt

 

   
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