geb. 17.3.1883 in Horn
Religionszugehörigkeit: jüdisch
Beruf: Rechtsanwalt
Eltern: Jacob Hirschfeld, Kaufmann und Elise Hirschfeld, geb. Klarenmeyer
Ehefrau: Leonie Hirschfeld, geb. Ems

WOHNORTE
Detmold:
10.10.1931 Paulinenstr. 10
22.04.1942 Hornsche Str. 33 bei Levysohn
28.07.1942 "abgemeldet nach Theresienstadt"

 

1904 war Alber Hirschfeld Gerichtsassessor beim Amtsgericht Bad Salzuflen. Im August 1909 schieden er und sein Partner Heinrich Sonntag als Gerichtsassessoren aus, traten zur Rechtsanwaltschaft über und ließen sich in der Hermannstraße 3 nieder (Rechtsanwälte Sonntag und Dr. Hirschfeld). Vom 24. August 1909 an war er beim Landgericht Detmold und vom 23. Dezember 1932 auch beim Amtsgericht Detmold als Rechtsanwalt zugelassen. Wann und aus welchen Gründen sich Sonntag und Hirschfeld beruflich trennten, lässt sich nicht belegen. Die Praxis befand sich später in der Paulinenstraße.
Am 27. August 1920 heiratete er Leonie Ems in Celle. Vom 10. April bis 9. Mai 1933 wurde er in sog. Schutzhaft genommen. In den folgenden Jahren sah Albert Hirschfeld sich gezwungen, seine Mitarbeiter zu entlassen. Seiner letzten Angestellten kündigte er 1937. Die Praxis war damit faktisch aufgegeben und seine wirtschaftliche Existenz zerstört. Das Berufsverbot für jüdische Rechtsanwälte vom 30. November 1938 (Verordnung vom 27. September 1938) beendete auch seine Karriere. Lediglich eine begrenzte Zahl der Betroffenen durfte als "Konsulenten" ausschließlich für jüdische Klienten tätig bleiben. Am 1. Dezember 1938 wurde Hirschfeld in der Rechtsanwaltsliste gelöscht, nachdem die Zulassung beim Landgericht und Amtsgericht mit Erlass vom 17. Oktober 1938 zurückgenommen worden war.
Während des November-Pogroms wurde seine Wohnung verwüstet. Albert Hirschfeld wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert (Häftlingsnummer 29106). Einem fragwürdigen Vernehmungsprotokoll vom 16. November 1938 aus dem dort bezeichneten "Schutzhaftlager" Buchenwald zufolge, hatte Albert Hirschfeld beim Verlassen des Transportzuges einen Bruch des Oberarms erlitten, wobei er durch seine Unterschrift bezeugte oder bezeugen musste, dies sei ein Unfall bereits auf dem Bahnhof in Weimar gewesen und nicht etwa im Lager selbst. In Buchenwald blieb er bis zum 16. Dezember 1938 in Haft.
Zusammen mit seiner Frau wurde er in das sog. Judenhaus in Detmold in der Hornschen Straße 33 eingewiesen. Die Meldeunterlagen der Stadt belegen durch einen Vermerk vom 2. Juli 1940 seine Überwachung durch die NS-Behörden: "War in Berlin W. 15, Joachimsthalerstr. 21, vorübergehend."
Im August 1942 wurden seine Aktien eingezogen, und er musste "Sühneraten" sowie die "Judenvermögensabgabe" zu zahlen.
Am 28. Juli 1942 wurde Albert Hirschfeld zusammen mit seiner Frau mit dem Transport Nr. XI/1-178 über Bielefeld nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde er mit dem Transport Ev-222 am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz verschleppt.

1947 wurden beide vom Amtsgericht Detmold für tot erklärt. Als amtliches Todesdatum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt.
Im 1950 angestrengten Rückerstattungsverfahren wird für Albert Hirschfeld der 5. Mai 1943 als Todesdatum genannt.

   

QUELLEN: StdA DT MK ; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 20 A Nr. 9155, 9198, D 20 B Nr. 381, 3315, 3629, 3934, D 22 Detmold Nr. 6169 Schutzhaftgefangene, D 23 Detmold Nr. 4917, D 27 Nr. 2635, 2636, 7184, D 103 Lippe Nr. 566. 567, L 113 Nr. 849; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 566; ThHStAW; Beit Theresienstadt; ZA B1 /34 Nr. 798, 807, 857, 1071; ITS

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 87 Nr. 16
LZ , 03.09.1909/LTZ, 25.08.1909: Niederlassungsanzeige der Rechtsanwälte Sonntag und Dr. Hirschfeld, Hermannstr. 3
LZ Nr. 69: Verlobungsanzeige Dr. Albert Hirschfeld, Detmold und Leonie Ems, Celle
Staatsanzeiger, 12.01.1921: Wahlvorschläge mit Unterstützungsunterschriften für die Landtagswahl am 23.01.1921: DDP Unterschriften: Julius Buchholz, Max Heilbrunn, Carl Vogel, Dr. Hirschfeld, David Boehm, Arthur Buchholz, Frieda Buchholz, Frieda Horn, Adolf Schönhaus

LITERATUR: van Faassen/Hartmann (1991)

 

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Portrait: HIRSCHFELD, Albert Dr. jur.

Schild der Kanzlei Hirschfeld, aufgenommen kurz vor Abriss des Hauses
(StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Albert und Leonie Hirschfeld (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Erklärung von Albert Hirschfeld im KZ Buchenwald - Vernehmung Albert Hirschfeld

 

Dokument 3

Geldkarte aus dem KZ Buchenwald von Albert Hirschfeld

 

Dokument 4

Benachrichtigung an Lonny Hirschfeld aus dem KZ Buchenwald

 

Dokument 5

Auszug aus der Korrespondenz Albert Hirschfled

 

   
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