Rufname: Jenny

03.05.1860 in Detmold - 14.06.1948 in London

 

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Mina (Minchen) Heine, geb. Moses (geb. 25.11.1830 in Schlüsselburg) und Raphael David Heine (geb. 09.12.1840 in Detmold)
Ehemann: Bernhard Frankenstein (13.03.1856 in Rischenau - 31.07.1928 in Berlin)
Kinder: Siegwart Frankenstein
Martha Kerb, geb. Frankenstein (20.09.1883 in Detmold - 24.05.1965 in Los Angeles, USA)
Käthe Alkan, geb. Frankenstein (geb. 04.08.1885 in Detmold - 12.03.1952 in London)
Lucy (Lucie) Nell, geb. Frankenstein (geb. 07.10.1888 in Detmold)
Beruf: Hausfrau

 

Wohnorte:

Detmold, Weinbergstr. 9
bis 02.10.1900 Gelsenkirchen, Bahnhofstr. 11 [durchgestr. 19]
Köln, Hansaring 62
19.03.1902 Köln, [Bismarckstr. 92]
22.03.1902 Bonn, Wenzelgasse 42
[...] Bonn, Remigiusstr. 8
03.07.1905 Bonn, Wenzelgasse 17
08.10.1907 Bonn, [Markusstr. 40]
16.05.1908 Bonn, Brückenstr, 50
25.09.1908 Köln, [Aachener Str. 37]
Berlin, Schulenburg Ring 127
01.04.1937 Amsterdam Amsterdam, Maastraat 17
01.03.1938 Amsterdam, Roertraat 9
07.08.1939 Amsterdam, Deltastraat 9

 

Jeanette Heine wurde in Detmold geboren. Über ihre ersten Lebensjahre und ihren weiteren Werdegang liegen keine Informationen vor. Sie heiratete 1882 Bernhard Frankenstein. Mit ihm hatte sie einen Sohn und drei Töchter. 1890 zog die Familie zunächst nach Gelsenkirchen, nach weiteren Stationen siedelte sie 1902 nach Bonn über, wo sie ein Geschäft für Haushaltswaren betrieben. Jeanette Frankenstein war dort als Geschäftsführerin tätig. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg zogen sie nach Berlin. Dort starb ihr Mann im Jahr 1928.

Jeanette Frankenstein floh im Alter von über 80 Jahren im April 1937 aus Berlin nach Amsterdam, wo ihr Sohn bereits seit 1933 lebte, einen Brothandel betrieb und auch Mitglied des Judenrates war. Auch ihr Schwiegersohn Richard Kerb war zusammen mit ihnen an gleicher Adresse in Amsterdam gemeldet, bevor er und seine Frau Martha in die USA emigrieren konnten. Nach Überfall und Besetzung der Niederlande durch Deutschland im Mai 1940 verschärfte sich die Situation der jüdischen Bevölkerung auch dort stetig und führte zu Entrechtung, Verhaftungen und Deportationen. Jeanette Frankenstein wurde im April 1943 verhaftet und mit einem Transport von insgesamt 305 Menschen in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Dort trafen sie am 6. April 1943 ein. Am 25. Mai des Jahres wurde auch ihr Sohn Siegwart dort eingeliefert. Eine Woche später wurde er in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo er nach drei Tagen umkam.

Jeanette Frankenstein wurde am 14. September 1943 mit dem letzten Transport aus Westerbork in das Konzentrationslager Bergen-Belsen überstellt, wo sie einen Tag später ankam. Sie gehörte zu den sogenannten Austauschhäftlingen, die in Bergen-Belsen für einen Austausch gegen im Ausland internierte Deutsche festgehalten wurden. Das Ziel dieses Transports aus Westerbork mit vielen deutschen Emigranten war eigentlich Theresienstadt. Wegen Überfüllung des Ghettos wurde der Transport jedoch zunächst nach Bergen-Belsen umgeleitet. Vier Monate später, am 25. Januar 1944, wurden noch 283 Menschen und damit fast der gesamte Transport geschlossen von Bergen-Belsen nach Theresienstadt gebracht. Auch der Name von Jeanette Frankenstein findet sich auf der Transportliste (Transport XXIV/3-63). Dieser Zug kam am 27. Januar 1944 in Theresienstadt an. Mehr als ein Jahr später wurde Jeanette Frankenstein dort am 8. Mai 1945 befreit.

Im Sommer 1945 kehrte sie schwer krank zunächst zurück nach Amsterdam. Einige Monate später zog sie zu ihrer Tochter Käthe Alkan nach London. Auch ihre Tochter Lucy lebte dort bereits seit 1939. Ihre Tochter Martha konnte aus den Niederlanden, wo sie in Rotterdam interniert worden war, in die USA emigrieren.

Jeanette Frankenstein starb 1948 in London im Alter von 88 Jahren. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof Golders Green beigesetzt.

   

QUELLEN : LAV NRW OWL P2-1-468; StdA Gelsenkirchen, StdA Bonn, Historisches Archiv Köln; Gedenkstätte Bergen-Belsen; Gedenkstätte Kamp Westerbork; Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Abt. I - Entschädigungsbehörde, Berlin Reg. Nr. 74.755, 263.024, 263.026, 332.707; Arolsen Archives

 

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