E_Biographien
02.10.1894 in Bielefeld - 18.05.1943 im Konzentrationslager Sachsenhausen
| Religionszugehörigkeit: | evangelisch |
| Eltern: | Heinrich Echterhoff und Louise Echterhoff, geb. Prütersmeyer |
| Ehefrau: | Johanna (Hanna) Echterhoff, geb. Gilbrink (geb. 23.09.1893 in Waddenhausen), Näherin |
| Beruf: | Maschinenschlosser, Werkmeister |
| Wohnorte: | Bielefeld, Stadtheider Str. 43 29.09.1900 Bielefeld, Wittekindstr. 21 08.10.1919 Abmeldung nach Herford 11.10.1920 aus Gütersloh wieder Wittekindtsr. 21 25.12.1920 Ahlen/Westf. 05.04.1922 aus Konitz/Polen zurück 06.11.1922 nach Frankfurt/Oder abgemeldet 19.05.1925 aus Marky/Österreich zurück 15.07.1925 abgemeldet nach Lommatsch 20.09.1926 aus Jugoslawien zurück von Gütersloh i. W. 05.07.1941 Detmold, Feldstr. 34 Lügde, Vordere Str. 281 |
Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte Erich Echterhoff drei Semester am Technikum und machte von 1908 bis 1912 eine Schlosserlehre in Bielefeld. Seine letzte Arbeitsstelle befand sich in Hannover. Er war ein überzeugter Gegner des NS-Staates und laut Aussagen seiner Ehefrau SPD-Mitglied. 1933 wurde er wegen Beleidigung und staatsfeindlicher Äußerungen in sogenannte Schutzhaft genommen. Von SS-Angehörigen wurde er wegen seiner politischen Äußerungen verprügelt. 1935 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Erich Echterhoff wegen staatsfeindlicher Äußerungen eingestellt.
1936 heiratete er Hanna Gilbrink. Wiederum wegen staatsfeindlicher Äußerungen und wegen Zeigen des Kommunistengrußes wurde er am 15. Juli 1937 vom Oberlandesgericht Breslau zu einer Haftstrafe verurteilt, die er verbüßte. 1938 wollte Echterhoff sich der Ludendorff-Bewegung anschließen. Im September 1939 wurde er durch die Gestapo wegen seiner Betätigung für die Partei festgenommen und vom Polizeigefängnis Höxter nach Sachsenhausen überstellt. Dort war vom 19. November 1939 bis 22. Januar 1940 inhaftiert (Häftlingsnummer 3893, Häftlingsblock 24). Am 3. Februar 1940 wurde er vom Sondergericht Dortmund wegen Verstoßes gegen das sog. Heimtückegesetz - er hätte einem "Arbeitskameraden" gegenüber u. a. geäußert: "Das Dritte Reich wird auch einmal zugrunde gehen, dann kommen wir dran. Dann reden wir auch mal mit." - zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wurde in verschiedenen Arbeitskommandos des Strafgefangenlagers Oberems in Gütersloh (u. a. in Mastholte und Harsewinkel) eingesetzt. Wiederholt habe er dort seine Verurteilung als lächerlich dargestellt und sei durch eine gleichgültige Haltung gegenüber der Arbeit und dem Strafvollzug aufgefallen. Ein Antrag seiner Ehefrau auf Gnadenerweis vom 27. September 1940 wurde abgelehnt. Im September 1941 wurde er laut dem von seiner Witwe gestellten Entschädigungsantrag erneut verhaftet und war im Polizeigefängnis Detmold inhaftiert. Nach drei Wochen wurde er der Bielefelder Gestapo übergeben.
Die nur unvollständig erhalten gebliebenen Akten von Sachsenhausen dokumentieren, dass Erich Echterhoff am 8. April 1943 in das dortige Krankenrevier gebracht (Häftlingsnummer 13389) worden war. Wann er wieder nach Sachsenhausen überstellt wurde, ist hingegen nicht überliefert. Er starb, durch eine frühe Malariainfektion ohnehin in geschwächter körperlicher Konstitution, wenige Wochen später. Als offizielle Todesursache wurde Lungenentzündung angegeben.
QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 22 Bielefeld Nr. 94; D 106 Detmold A Nr. 2667; Lars Lüking (LAV NRW OWL); KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 23, 24; Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen; Arolsen Archives
- Details
04.08.1868 in Dortmund-Barop - 14.03.1950 in New York
| Religionszugehörigkeit: | jüdisch |
| Eltern: | Jeanette Neugarten, geb. Goldbach und Moses Neugarten (28.10.1827 in Huckarde - 11.12.1888), Handelsmann |
| Geschwister: | Fanny Neugarten (13.01.1876 - 22.04.1881), Hermann Neugarten (geb. 04.03.1880 - 24.02.1945), Manuel/Samuel Neugarten (geb. 15.06.1885) |
| Ehemann: | Albert Eichmann (22.08.1867- 30.03.1964) |
| Kinder: | Irma Eichmann (12.02.1895 in Hagen - 25.03.1920 in Moers) Alfred Eichmann, später Alfred G. Eyck (23.07.1897 in Hagen) Lotte Goldstein, geb. Eichmann (14.01.1912 in Detmold) |
| Beruf: | o. B., Hausfrau, Fabrikantengattin (laut Meldekartei) |
| Wohnorte: | Dortmund-Barop Duisburg Hagen 20.11.1913 Detmold, Bahnhofstr. 3 b. Sinalco AG 22.11.1923 Düsseldorf 06.12.1923 Detmold, Bahnhofstr. 3 23.01.1933 Detmold, Rosenstr. 4 b. Hofmann 01.10.1938 Wehrenhagenstr. 16 b. Plaut 16.09.1939 abgemeldet nach New York, USA |
Lina Neugarten stammte aus Barop, einem Stadtteil von Dortmund, und heiratete am 28. April 1894 Albert Eichmann aus Essen in Dortmund-Dorstfeld. Ihre Kinder Irma und Alfred kamen zwei bzw. vier Jahre später in Hagen zur Welt. 1907 zog die Familie nach Detmold, wo Albert Eichmann zusammen mit seinem Schwager Hermann Neugarten die 1906 gegründete Möbelfirma "Neugarten & Eichmann", später "Vereinigte Möbelwerke", an der Orbker Straße 41-47 (heute: Industriestraße 39-47) führte. Einen weiteren Firmensitz gab es auch in Uslar.
Lina Eichmann engagierte sich in sozialen und auch in politischen Bereichen. So war sie nicht nur als ‚jüdische Wohltäterin' bekannt, sondern setzte sich aktiv für politische Bereiche wie die Erlangung des Frauenwahlrechts ein. Sie gehörte dem Detmolder Frauenrat an, der sich in bürgerlichen Kreisen am 17. November 1918 und damit nur wenige Tage nach der Absetzung von Fürst Leopold IV. und der Begründung des Freistaats Lippe gebildet hatte. Ziel dieses in Deutschland einzigartigen Frauenrates war das aktive Engagement in der aktuellen Politik. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten unter anderem Frauenarbeit oder auch drohender Arbeitsverlust nach der Rückkehr der Kriegsteilnehmer. Lina Eichmann zog im Frühjahr 1919 für die liberale DDP (Deutsche Demokratische Partei) als erste Frau in die Detmolder Stadtverordnetenversammlung ein. Zwei Jahre später scheiterte sie allerdings am schwachen Wahlergebnis ihrer Partei.
Ihr soziales Engagement spiegelte sich unter anderem in ihrer Vorstandstätigkeit für den 1923 gegründeten Verein der Freunde des Detmolder Frauenheims, der die Petri-Stiftung unterstütze. In dieser Geburtsklinik erfuhren auch sozial schwache Frauen die notwendige Hilfe. Der von Lina Eichmann im Jahr 1930 gegründete und geleitete Jüdische Frauenbund zählte 45 Mitglieder. Noch galt sie in ihrem sozialen, konfessionsübergreifenden Verständnis als allseits beliebte Detmolder Persönlichkeit, bis sie sich in der NS-Diktatur gezwungen sah, ihre Tätigkeit auf die jüdische Gemeinde zu beschränken. Für ihre Wohltätigkeit und ihr soziales Engagement wurde sie in einem Glückwunschschreiben anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags durch Moritz Herzberg im Namen der Synagogengemeinde Detmold und des Landesverbandes der Lippischen Synagogen-Gemeinden (s. Dokument 2) mit dem Ehrentitel "Mutter in Israel" (Em Bejisrael) gewürdigt, der auf den ältesten hebräischen Heldengesang, dem Deboralied (im Buch Richter, Kap. 4-5), zurückzuführen ist, in dem Debora als biblische Richterin, Prophetin und Anführerin geehrt wird.
Nach der Zwangsarisierung der Vereinigten Möbelwerke gelang es Lina und Albert Eichmann am 16. September 1939, also wenige Tage nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, Deutschland zu verlassen und in die USA auszuwandern, da ihre Kinder Alfred und Lotte bereits nach New York geflohen und in der Lage waren, ihre Eltern aufzunehmen.
Das Leben im Exil gestaltete sich auch für die Eichmanns schwierig, zumal Lina Eichmann über allenfalls rudimentäre Sprachkenntnisse im Englischen verfügte. Altersbedingt konnten das Ehepaar Eichmann keiner Arbeit mehr nachgehen, versuchten aber, etwa durch die Herstellung von Kandis, den ihr Sohn dann als Vertreter verkaufte, etwas zum Lebensunterhalt beizutragen. Belastet blieb der Alltag in der Fremde vor allem für Lina Eichmann durch Heimweh trotz allen erlebten Unrechts - so dokumentieren es ihre nachgelassenen Briefe. Beraubung, Drangsalierungen im nationalsozialistischen Detmold, die Last des Lebens im Exil, die Angst um die noch in Deutschland Verbliebenen und letztlich der gewaltsame Verlust von Angehörigen und Freunden führten zu schweren gesundheitlichen Problemen.
1946 erhielt Lina Eichmann die amerikanische Staatsbürgerschaft. Vier Jahre später starb sie laut Todesfallanzeige infolge eines Herzanfalls in New York.
Als Albert Eichmann 1951 für einige Zeit nach Detmold zurückkehrte, um die Rückerstattungsansprüche für sein früheres Möbelunternehmen zu klären, sorgte er laut Zeitzeugenbericht durch die Beisetzung der Urne seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof in Detmold für ihre Heimkehr.
QUELLEN : StdA DT MK; LAV NRW OWL D 107/84 Nr. 853, 857, 1077, D 20 B Nr. 3301, 3499, D 1 BEG Nr. 7175; StdA Dortmund
LITERATUR : Mitschke-Buchholz (2013)
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Lina Eichmann, [o.J.], in: Moritz Rülf, Familienstammbaum Eichmann, Detmold 1931, S. XI
DOKUMENTE
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Meldekarte für die Familie Eichmann (StdADT MK)
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Glückwunschschreiben an Lina Eichmann durch Moritz Herzberg, Detmold 04.08.1938 (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg B1.34 (Lippe) 857)
- Details
23.04.1867 in Waltrop/Recklinghausen - 12.03.1944 im Konzentrationslager Theresienstadt
| Religionszugehörigkeit: | jüdisch |
| Wohnorte: | Von Hannover, Landstr.8 28.09.1939 Detmold, Paulinenstr. 10 22.10.1939 nach Hannover Von Hannover, Georgstr. 48 15.03.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Hirschfeld 01.04.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet 06.06.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Israel (sic) Hirschfeld 17.06.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet Hannover, Josefstr. 22 11.09.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 17.09.1941 nach Hannover, Josefstr. 22 abgemeldet Letzte Adresse: Hannover-Ahlem, Wunstorferstr. 1 (eines der sog. Judenhäuser) |
In den Meldeunterlagen der Stadt Detmold wurde vermerkt, dass ihr "Aufenthalt nur besuchsweise" war. Am 24. Juli 1942 wurde Paula Ems mit dem Transport Nr. VIII/1 von Hannover nach Theresienstadt deportiert, wo sie fast 77jährig umkam.
QUELLEN: StdA DT MK; Beit Theresienstadt; Arolsen Archives
- Details
geb. 20.03.1874 in Breslau - 29.09.1942 im Konzentrationslager Theresienstadt
| Religionszugehörigkeit: | zunächst jüdisch, zum Christentum übergetreten |
| Eltern: | Jenny Epstein, geb. Silbermann und Julius Epstein, Kaufmann und Makler |
| Geschwister: | Walter Epstein (geb. 1877) Schwestern |
| Ehefrau: | Hertha Helene Emilie von Eppstein, geb. Reimann (21.08.1879 in Guhrau/Schlesien - 02.08.1937 in Berlin) |
| Tochter: | Ingeborg Hertha Helene von Eppstein (08.03.1909 in Berlin - 07.03.1922 in Berlin) |
| Beruf: | Journalist, Schriftsteller, Chef des Geheimen Kabinetts Leopold IV. zur Lippe |
| Wohnorte: | Breslau 1901 Berlin 05.12.1912 Detmold, Schlossplatz 5 (Pavillon 5) 01.06.1921 mit Familie nach Berlin-Lichterfelde, Potsdamerstr. 32 abgemeldet Berlin, Oranienburgerstr. 31 |
In Breslau wurde er als Georg Johannes Friedrich Epstein als Sohn jüdischer Eltern geboren, allerdings spielte die Religionszugehörigkeit wohl eher keine Rolle. Nach eigenen Angaben, die bislang jedoch nicht anhand von Dokumenten verfiziert werden können, besuchte er in seiner Geburtsstadt das Realgymnasium sowie das Johannesgymnasium. Auch sein Abitur und sein Studium in Breslau oder Berlin können bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Georg Epstein arbeitete in den Jahren 1896/96 als Redakteur bei der "Tilsiter Allgemeinen Zeitung" und gab in diesem Zeitraum einen ersten Gedichtband ("Erste Wanderfahrten", 1896) heraus, dem weitere folgen sollten ("Fallendes Laub", "Else, ein Liederreigen" und "Im Vorübergehen"). Seinen Militärdienst leistete er 1897/98 in Königsberg, bevor er ab 1898 als Feuilleton-Redakteur bei der "Breslauer Frauenzeitung" arbeitete. Im Jahr 1901 siedelte er nach Berlin, wo er nicht nur Schriftleiter der "Neuen Politischen Correspondenz" tätig war, sondern auch zum Dr. phil. promoviert wurde (Promotionsverfahren und Thema sind bislang nicht nachweisbar).
Am 9. März 1901 sagte sich Georg Epstein vom jüdischen Glauben los und trat zum christlichen Glauben über. Seine Taufe fand in der Jerusalemgemeinde in Berlin-Kreuzberg statt. Nur wenige Tage später, am 16. März 1901, heiratete er die nichtjüdische Hertha Reimann aus Guhrau. 1904 wurde er Mitglied des renommierten heraldischen Vereis "Herold" zu Berlin und setzte in den folgenden Jahren seine schriftstellerischen und journalistischen Artbeiten fort. So trat Epstein 1904 nicht nur als Mitherausgeber des "Deutschen Ordens-Almanach" in Erscheinung, sondern knüpfte erste Verbindungen nach Lippe durch sein journalistisches Engagement für die "Biesterfelder Sache" im Rahmen der letzten Phase des Lippischen Thronfolgestreits. 1905 erfolgte die Herausgabe seines Romans "Märchenmenschen". Im Mai 1912 wurde Georg Epstein zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinettmit dem Titel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstlichen Hofmarschallamt" ernannt. Wenige Monate später, im November 1912, siedelte er mit seiner Frau und seiner 1909 geborenen Tochter Ingeborg nach Detmold über, wo ihm eine steile Karriere als enger Berater des Fürsten Leopold IV. zur Lippe bevorstand. 1913 wurde er Mitglied der Akademie der gemeinnützige Künste zu Erfurt. Während seines Einsatzes im Ersten Weltkriegs erhielt er zahlreiche Orden und Auszeichnungen und wurde enstprechend befördert. Am 25. Oktober 1915 wurde er unter dem Namen "von Eppstein" nobilitiert. Im Januar 1917 erfolgte die Verleihung des Titels "Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz". Sein gesellschaftlicher Aufstieg rief Neider und Kritiker auf den Plan, die ihre antisemitische Grundhaltung deutlich zum Ausdruck brachten. Georg von Eppstein wurde am 2. Februar 1917 die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Erlangen verliehen. Im selben Jahr wurde ihm zudem der Professoren-Titel durch den lippischen Landesherrn verliehen. Am 12. November 1918 wurde er in den Freiherrnstand erhoben. Nach der Revolution 1918, die der sehr konservative, kaisertreue und patriotische Eppstein als "militärischen und staatlichen Zusammenbruch" bezeichnte, und dem Thronverzicht Leopolds IV. wurde dieser im Juni 1921 aus den Fürstlichen Diensten entlassen und zog mit seiner Familie nach Berlin-Lichterfelde, wo er wiederum als freier Schriftsteller tätig war. Trotz seiner Herausgeber- und Autorentätigkeiten (Herausgabe u. a. von Gedichtbänden und Überarbeitung älterer Werke) setzte von Eppstein auch von Berlin aus seine Beratertätigkeit für den ehemaligen lippischen Landesherrn fort und vertiefte einmal mehr damit die Verbindung zur fürstlichen Familie, insbesondere zu Leopold IV. Im Jahr 1934 erfolgte die Herausgabe seines letzten Buches "Von Draußen und Drinnen" in der Detmolder Meyerschen Hofbuchhandlung von Max Staercke; zwei Jahre später, 1936, erschien zusammen mit Staercke eine Biografie über den Prinzen Bernhard zur Lippe.
Der Tod von Eppsteins Frau am 2. August 1937 war nicht nur ein schwerer persönlicher Schlag, sondern bedeutete für ihn, der sich nie im Judentum verankert sah, den Verlust der Privilegien von in sog. Mischehe lebenden "Rassejuden", die ihn bis dahin vor antisemitischen Ausgrenzungen und Drangsalierungen einen gewissen Schutz gewährt hatten. Die zunehmenden Repressalien nach dem Novemberpogrom 1938 durch den NS-Staat brachten ihn nicht nur in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Ein Versuch Leopolds IV. zur Lippe von Eppstein Flucht und Existenz in den Niederlanden durch Hilfe seines Neffen, den Prinzen Bernhard der Niederlande, zu ermöglichen, scheiterte, da dieser die drohenden Gefahren als nicht so dringlich befand. Am 14. März 1941 wurde Georg von Eppstein durch das Reichsinnenministerium nicht nur die Namensänderung, sondern auch die Standeserhöhungen aberkannt, so dass er nunmehr zwangsweise den Namen Georg Israel Epstein führen musste. Als 1942 seine Deportation drohte, versuchte Leopold IV. zur Lippe nochmals seinen Berater und Freund zu retten. Doch auch seine Eingabe vom 12. März 1942 an den Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers, einem Jugendfreund Eppsteins, blieb erfolglos. Am 26. Juni 1942 wurde Georg Eppstein, der inzwischen auf einem Auge erblindet war, verhaftet und in das Altenheim der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Großen Hamburger Straße 26 verbracht, das zum Sammellager für die zur Deportation bestimmten Juden umfunktioniert worden war.
Am 2. Juli 1942 wurde Georg Epstein mit dem Transport I/14-600 von Berlin nach Theresienstadt deportiert, wo er nach wenigen Wochen umkam. Laut Todesfallanzeige des dortigen Ältestenrates starb er an Herzschwäche. Weitere Quellen nennen "Darminfektion" als offizielle Todesursache.
QUELLEN: LAV NRW OWL D87 Nr. 30, 31, 52; FLA Nr. 155; Bundesarchiv Berlin; Geheimes Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz Berlin; Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum"; OFD Berlin; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Beit Theresienstadt; Arolsen Archives; www.holocaust.cz; Stefan Wiesekopsier (Bad Salzuflen)
WEITERE QUELLEN: Amtsblatt, 30.05.1912: Ernennung des Prof. Dr. phil. Georg Epstein, Leutnant der Reserve im 4. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 51, Berlin zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinett und Hofmarschallamt mit Diensttitel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstl. Hofmarschallamt" durch den Fürsten
Amtsblatt, 18.09.1912: Genehmigung des Fürsten für Prof. Dr. Epstein, z.Zt. Berlin, zur Annahme des Kommandeurkreuzes mit Krone des Königl. Bulgarischen Zivilverdienstordens
Amtsblatt, 19.03.1913: Erlaubnis zur Anlegung des Offizierskreuzes des Herzogl. Ordens Heinrichs des Löwen für Prof. Dr. Epstein
Amtsblatt, 04.06.1913: Verleihung des Ehrenkreuzes 2. Klasse des Fürstl. Lipp. Hausordens an Prof. Dr. Epstein
LZ, 27.02.1915: Detmold. "Der Geheime Kabinettsrat Professor D. Epstein, der als Leutnant und Ordonanzoffizier beim Generalkommando eines Reservearmee-Korps auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpft, hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten."
Amtsblatt, 03.03.1915: Verleihung des Lipp. Kriegsverdienstkreuzes an Geh. Kabinettsrat Prof. Dr. Epstein, Leutnant d.R. a.D.
Amtsblatt, 25.09.1915: Verleihung des Fürstl. Lipp. Kreigsehrenkreuzes für heldenmutige Tat an Oberleutnant Epstein, Ordonnanzoffizier beim Generalkommando des VII. Armeekorps
Amtsblatt, 06.11.1915: Ernennung Prof. Dr. Epsteins zum Chef des Geheimen Zivilkabinetts mit dem Rang eines Rates I. Klasse
Amtsblatt, 06.11.1915: Verleihung des erblichen Adels unter dem Namen "von Eppstein" an Prof. Dr. Epstein
LTZ, 06.11.1915: Detmold. "Geheimes Zivilkabinett"
Erblicher Adel für Prof. Dr. Epstein
Fürstl. Lipp. Kalender 240. Jg., 1916 Beilage: "Ehrentafel lippischer Helden"
Oberleutnant a.D. Epstein - Detmold (Biogr.) und Foto
Staatsanzeiger, 13.01.1917: Verleihung des "Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz" an Prof. Dr. von Eppstein
LTZ, 11.02.1919: Erklärung von Eppsteins gegen ein den Zeitungen beiliegendes Flugblatt bezügl. seiner Tätigkeit als Kabinettschef
LITERATUR: Epstein, Georg (1899); Ders. (1900); Ders. (1917); Ders.(?); Ders. (?); Kittel (1978); Degener Hg (1935); Gotha (1921 u. 1933); Reichold (1977)
Georg von Eppstein, 1919
(StdA DT DT V 19 Nr. 199)
DOKUMENTE
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Einwohnermeldekarte von Georg, Hertha und Ingeborg von Eppstein (StdA DT MK)
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Todesfallanzeige für Georg von Eppstein, Theresienstadt 26.09.1942 (Nationalarchiv Prag HBMa, Inv. Nr. 2956 - digitalisiert von der Theresienstädter Initiative, Prag )

Auszug aus der Korrespondenz zu Georg Eppstein
- Details
Rufname: Elisabeth
19.10.1890 in Detmold - 23.01.1972 in Detmold
| Religionszugehörigkeit: | evangelisch / Zeugin Jehovas |
| Eltern: | Luise Ernsting, geb. Homeier (01.12.1853 - 05.11.1908 in Detmold) und Johann Ernsting, Bäckermeister (17.12.1857 - 05.01.1929) |
| Geschwister: | Martha (auch: Magdalena) Ernsting (geb. 30.05.1886 in Detmold) Adolf Ernsting (geb. 03.12.1887 in Detmold) Friedrich Ernsting (geb. 12.02.1889 in Detmold) Anna Götte, geb. Ernsting (geb. 06.06.1892 in Detmold) Bertha Ernsting (geb. 24.04.1894 in Detmold) Lucie Ernsting (geb. 26.04.1896 in Detmold) Emmy (Emmi) Ernsting (01.11.1897 in Detmold) |
| Schwägerin: | Paula Ernsting |
| Beruf: | Schneiderin |
| Wohnorte: | Detmold, Krumme Str. 53, 39 30.09.1910 abgemeldet nach Halle/S. Hadingen 02.05.1919 Detmold, Krumme Str. 26 01.04.1921 abgemeldet nach Chemnitz, Rewitzerstr. 9 Januar 1929 Hannover, Spittastr. 2 1945-1953 Halle/Saale 1954 Berlin Durchgangslager Hamburg-Wandsbek Detmold, Hans-Hinrichs-Str. 15 Detmold, 55er-Straße 16 |
Elisabeth Ernsting wuchs in Detmold mit sieben Geschwistern auf und wurde nach eigenen Angaben im christlichen Sinne erzogen. Sie erlernte den Beruf der Schneiderin, war aber auch als Haushaltshilfe tätig. Nach dem Tod ihrer Mutter versorgte sie als Achtzehnjährige ihre Geschwister und auch den Haushalt. 1910 verließ Elisabeth Ernsting Detmold und zog nach Halle an der Saale. Während des Ersten Weltkrieges - so schilderte sie es in einem biografischen Bericht - arbeitete sie, mittlerweile in Berlin lebend, als Hausangestellte für den damaligen Staatsminister des Innern. Hier erfuhr sie ihrem Bericht zufolge manches zum Kriegsgeschehen, was sie nachhaltig beeinflusste und prägte. Nach Kriegsende lebte Elisabeth Ernsting zunächst in Chemnitz, um dann Hannover als ihren Lebensmittelpunkt zu wählen, wo sie als Schneiderin arbeitete.
Erste Berührungspunkte mit den Zeugen Jehovas ergaben sich 1925 während eines Besuches in Detmold durch persönliche Kontakte. Ein Diavortrag des "Schöpfungsdrama"1 wurde für sie zu einem lebensprägenden Ereignis. Wachturmstudien, angeregt durch ihre Schwägerin Paula Ernsting, sowie erste Kontakte zu Bibelforschern in Hannover folgten. Elisabeth Ernsting nahm 1929 eigene Missionstätigkeiten auf und ließ sich am 31. März 1930 taufen. Widerstände gegen die Zeugen Jehovas erlebte sie zunächst durch christliche Geistliche.
Am 7. Dezember 1936 wurde bei ihr eine Haudurchsuchung vorgenommen und Literatur beschlagnahmt. Etwa eine Woche später, am 15. Dezember 1936, wurde Elisabeth Ernsting im Rahmen der Verhaftungswelle dieses Jahres mit dreißig weiteren Zeugen Jehovas in Hannover festgenommen und war in Untersuchungshaft, bis sie am 26. Februar 1937 durch das Sondergericht Hannover wegen Betätigung für die internationale Bibelforschung zu sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Nach Verbüßung ihrer Strafe am 14. Juni 1937 wurde sie jedoch nicht entlassen, sondern am 12. August 1937 in das Frauen-Konzentrationslager Moringen überstellt. Da dieses Lager im März 1938 aufgelöst wurde, wurde sie in das Konzentrationslager Lichtenburg bei Torgau verlegt. Diese Verlegungen fanden in drei größeren Transporten (15. Dezember 1937, 21. Februar 1938 und 21. März 1938) statt. Elisabeth Ernsting war im Lager Lichtenburg bis Mai 1939 in Haft und wurde in der Gärtnerei eingesetzt. Dort erlebte sie strengen Arrest, unter anderem weil sie sich mit weiteren inhaftierten Zeugen Jehovas weigerte, Reden Hitlers anzuhören. Als Lichtenburg 1939 aufgelöst wurde, wurden die sich noch dort befindenden Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Elisabeth Ernsting wurde dort am 1. Mai 1939 registriert und musste wiederum in der Gärtnerei arbeiten. "Mentale und geistige Stärkung" - so berichtete sie Jahrzehnte später - verliehen ihr Bibelstudium und der enge Kontakt zu dort inhaftierten Zeugen Jehovas. Die Erklärung, durch die sie den Zeugen Jehovas und deren Organisation abschwören sollte, lehnte sie wiederholt ab: "Ich bleibe ein Zeuge Jehovas".2
Im August 1942 wurde Elisabeth Ernsting mit 99 weiteren Zeugen Jehovas nach Auschwitz überstellt. Auch dort lehnte sie es ab, diese Erklärung zu unterzeichnen. Nach Birkenau verlegt, verlor Elisabeth Ernsting laut ihres Berichtes massiv und lebensbedrohlich an Kräften. Ihr Arbeitseinsatz im Haushalt des Leiters der Bauabteilung verschaffte ihr jedoch bessere Überlebensbedingungen. Für derlei Sonderaufgaben wurden inhaftierte Zeuginnen und Zeugen Jehovas ausgewählt, da sie als zuverlässig und fleißig galten und aus Glaubensgründen keine Fluchtversuche unternahmen, sondern ihre Haft als von Gott auferlegte Prüfung verstanden. Einer Vergasung entkam Elisabeth Ernsting - so berichtete sie später - nur durch einen technischen Defekt des Gas anliefernden Wagens. Im Februar 1944 wurde sie wiederum in Ravensbrück eingeliefert. Dort arbeitete sie nun für die Familie des Lagerarztes und erhielt einen Sonderausweis, der es ihr ermöglichte, das Lager für Einkäufe zu verlassen. Auch solch ein Privileg wurde aus den genannten Gründen insbesondere den Zeugen Jehovas zugebilligt. Nach der Befreiung von Ravensbrück am 30. April 1945 durch die Rote Armee verließ Elisabeth Ernsting das Lager nicht umgehend, da sie - wie sie später schrieb - die Kranken nicht im Stich lassen und sie versorgen wollte. Erst im Juni 1945 und damit nach fast neun Jahren Gefängnis- und Lagerhaft verließ sie Ravensbrück und zog zunächst nach Berlin und später nach Halle an der Saale, wo sie bereits 1910 lebte. Hier erlebte sie erneut Verfolgung und Unterdrückung der in der DDR als "Staatsfeinde" bezeichneten Zeugen Jehovas. Sie arbeitete in Halle wiederum im Untergrund für die offiziell ab 31. August 1950 verbotenen Zeugen Jehovas. 1954 konnte Elisabeth Ernsting die DDR verlassen und kehrte über Berlin und nach einer Unterbringung in einem Auffanglager in Hamburg nach Detmold zurück. Zunächst lebte sie bei ihrer Schwägerin Paula Ernsting, bis sie in eine eigene Wohnung in die 55er-Straße zog.
Elisabeth Ernsting starb 1972 im Alter von 82 Jahren.
1 Bei dem Photo-Drama der Schöpfung handelt es sich um einen insgesamt achtstündigen, vierteiligen religiösen Film der Wachturm-Gesellschaft aus dem Jahr 1914, initiiert von Charles Taze Russell. Thematisiert wird in dem Filmprojekt mittels bewegten Bildern, Dias und synchronisiertem Ton die Schöpfungswoche, von der Geschichte Israels zu Jesus Christus bis hin zur Verheißung seiner tausendjährigen Friedensherrschaft. Das Werk wurde Ende 1914 in Nordamerika, Europa und weiteren Teilen der Welt von neun Millionen Menschen gesehen. 1918, 1922 und 1927 erfolgten Überarbeitungen des Films, der letztlich unter dem Titel "Schöpfungsdrama" gezeigt wurde. 1933 wurde er verboten und die Aufführungen in Deutschland eingestellt.
2 Lebensbericht von Elisabeth Ernsting: "Mein Leben im Dienste Jehovas", [o. D.] In Gedichtform schilderte Elisabeth Ernsting zudem die Torturen ihrer Lagerhaft, [o. D.], Archiv der Jehovas Zeugen in Deutschland
QUELLEN : StdA DT MK, D 106 Detmold A Nr. 679, 16204; LAV NRW OWL D1 BEG Nr. 6923, D 103 Lippe Nr. 347; Niedersächsisches Landesarchiv Abt. Hannover 171a Hannover Acc. 107/83 Nr. 201; Niedersächsisches Landesarchiv Abt. Wolfenbüttel; Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin; KZ Gedenkstätte Moringen; Gedenkstätte Ravensbrück; Gedenkstätte Auschwitz; Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa; Arolsen Archives
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