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Freitag, 05. Juni 2026

E_Biographien

EXAMUS, Emmy, geb. Salomon

geb. 12.08.1886 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Simon und Selma Salomon
Geschwister: Siegfried Salomon
Karl Salomon
Käthe Salomon
Martha Salomon
Ehemann: David Examus
Tochter: Ursula Markus, geb. Examus (01.04.1914 - 04.04.1996)

 

Wohnorte: Detmold:
18.12.1918 Bahnhofstr. 4
01.04.1936 Woldemarstr. 10
02.01.1939 Paulinenstr. 23 bei Salomon
19.10.1939 Paulinenstr. 10 bei Hirschfeld
30.03.1942 "nach unbekannt abgemeldet"

 

Emmy Salomon war die Tochter des Bankiers Salomon und wurde in Wiesbaden in einer Pension ausgebildet. 1910 heiratete sie den Getreide- und Viehhändler David Examus. 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt. Ihre Familie war von Beginn der NS-Herrschaft zahlreichen Diffamierungen und Angriffen ausgesetzt. Während des November-Pogroms wurde Emmy Examus und ihr Mann verhaftet. Während sie frei wieder gelassen wurde, wurde ihr Mann nach Buchenwald gebracht, wo er bis zum 22. November 1938 inhaftiert war. Ihren Plan, nach Südamerika auszuwandern, vermochten sie nicht in die Tat umzusetzen.

Am 30. März 1942 wurde Emmy Examus zusammen mit ihrem Ehemann von Detmold zunächst nach Bielefeld transportiert und einen Tag später im Viehwagon nach Warschau deportiert. Während David Examus laut Zeugenaussage von Robert Levis aus Schlangen (Wortlaut s. Beitrag zu David Examus) bereits im April des Jahres erkrankte und in das sog. Krankenhaus im Ghetto eingeliefert worden war, musste sie Zwangsarbeit für die Fa. Többens und Schulz leisten. Dem Bericht zufolge wurde sie nach Treblinka deportiert.

Vom Amtsgericht Detmold wurden David und Emmy Examus 1950 für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Ihre Tochter Ursula emigrierte 1934 nach England und ein Jahr später nach Palästina.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 2 C DT Nr. 104, 106, D 20 A Nr. 10243-10245, D 20 B Nr. 1020, 3759, D 23 Detmold Nr. 5160, D 23 Detmold Nr. 3985 9551, D 27 Nr. 231, 3065, D 87 Nr. 15; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 771; ZA B 1/34 Nr. 847, 857, 1061; Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 103 Nr. 770, 771, D 106 Nr. 50; Amtsblatt, 20.7.1907: HR (51) Eintritt des David Examus in die Fa. Gustav Examus
LZ , 23.07.1909: Verlobungsanzeige Emmy Salomon und David Examus
LZ, 01.04.1914: Geburtsanzeige einer Tochter durch David Examus und Frau Emmy, geb. Salomon
Staatsanzeiger, 16.07.1924: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus Eintrag. Handel in Getreide, Futtermittel etc.
hinzu als Gesellschafter Paul Eickelmann: Fa. David Examus & Eickelmann
Staatsanzeiger, 25.11.1933:HR (A 454), AG DT David Examus & Eickelmann
Ausscheiden des Paul Eickelmann
07.07.1934: Fa. geändert in David Examus
LStZ, 10.08.1935: "Ein Judenknecht in Remmighausen. Sally aus Horn und David aus Detmold gerngesehene Gäste"
LStZ, 14.08.1935: "Jud Examus als Rasseschänder"
Staatsanzeiger, 16.01.1937:HR (A 454), AG DT Fa. David Examus, Detmold, ist erloschen

LITERATUR: Lettermann (1998), Lebensläufe (1993)

Zur Familiengeschichte Examus s. Joachim Kleinmanns: Die jüdische Familie Examus in Detmold. In. Rosenland 29/2024, S. 74 ff.

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Portrait: EXAMUS, Emmy, geb. Salomon

Emmy und David Examus, o.J. (StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Eintrag von Emmy Salomon im Poesiealbum von Frieda Schmidt. Detmold, 28. Juni 1902 (Sammlung Frank Budde, Detmold)

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte von David, Emmy und Ursula Examus (StdA DT MK)

 

Dokument 3

Mitteilung von Emmy Examus an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 15.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2024

EXAMUS, Julius

geb. 22.09.1861 in Heiligenkirchen b. Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Selma Examus, geb. Blank (geb. 14.04.1842) und Simon Examus (geb. 12.05. 1834)
Geschwister: Gustav Examus (geb. 23.01.1864)
Albert Examus (geb. 07.06.1866)
Selma Examus (geb. 27.02.1869)
Bertha Gerson, geb. Examus (geb. 16.08.1874)
Martha Marianne Herzberg, geb. Examus (geb. 10.04.1875)
Rosa Examus (geb. 11.01.1877)
David Examus (geb. 06.06.1878)
Else Wertheim, geb. Examus (geb. 05.02.1885)
Ehefrau, geschieden: (Bertha) Betty Examus, geb. Klein (05.02.1867 in Bommern - 27.12.1934 in Düsseldorf)
Töchter: Elisabeth Examus (geb. 19.09.1889)
Paula Margarethe Hamburger, geb. Examus (geb. 22.12.1891 in Witten)
Beruf: Kaufmann

 

Wohnorte: Heiligenkirchen
1888 Witten
1904 Düsseldorf, Benratherstr. 12
1905 Witten
19.07.1905 Mönchengladbach, Hindenburgstr. 104
26.04.1919 nach Krefeld, Oberstr. 100
01.12.1919 Krefeld, Nordtsr. 54
09.03.1920 Krefeld, Oberstr. 10
28.09.1931 Mönchengladbach-Rheydt, Hauptstr. 13
Von Krefeld, Malmedystr. 10
Mönchengladbach:
10.10.1931 Hauptstr. 13
05.01.1934 Hindenburgstr. 104
05.06.1937 Bismarckstr. 104
02.03.1939 Bismarckstr. 41
02.02.1942 Knopsstr. 31
03.06.1942 nach Düsseldorf, Grafenberger Allee 78 [Jüdisches Altersheim]
17.07.1942 "Abmeldung nach Theresienstadt/Prag"

 

Julius Examus besuchte bis zur 8. Klasse das Gymnasium und erlernte dann den Beruf des Kaufmanns. 1888 machte er sich in Witten selbstständig und handelte zunächst mit Konfektionswaren. In Witten heiratete er Bertha (Betty) Klein. Mit ihren drei Töchtern zogen sie 1904 nach Düsseldorf. Dort wurde die Ehe geschieden. Um 1900 gab er das Konfektionsgeschäft auf, nachdem er in Barmen bereits ein Schuhgeschäft betrieben hatte. Ein Jahr verbrachte Julius Examus in Holland. In Düsseldorf war er als Geschäftsführer tätig, bevor er in Mönchengladbach wiederum ein Schuhgeschäft betrieb.

Julius Examus war der Inhaber einer Schuhhaus-Kette (Schuhhaus J. Examus), das in mehreren Städten vertreten war. Bereits vor 1908 war er Mitinhaber oder Gründer des Gladbacher Schuhhauses "Examus" an der Hindenburgstr. 104. Eine weitere Filiale gab es u. a. in Rheydt an der dortigen Hauptstraße. Sein Schwiegersohn Karl Hamburger wurde Inhaber des Gladbacher Geschäfts, nachdem Julius Examus sich aus Altersgründen in den 1920er Jahren aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte. Im Laufe des Jahres 1937 gab die Familie das Gladbacher Geschäft auf und betrieb bis zum Novemberpogrom 1938 eine Handelsvertretung von Schuhwaren. Karl und Margarete Hamburger gelang am 9. Mai 1939 die Flucht nach Bolivien.

Durch die Gestapo-Akte der Gestapostelle Düsseldorf / Mönchengladbach von Julius Examus wird dokumentiert, dass er im Juli 1941 wegen des Verdachts auf Landesverrat denunziert wurde. Laut eigener Aussage wollte er nach einem Bombenangriff und den daraus entstandenen Zerstörungen sich bei dortigen Bewohnern u. a. nach dem Ergehen einer Bekannten erkundigen. Die Nachbarn reagierten allerdings mit Beschimpfungen, Drohungen und Denunziation. Dem Verdacht auf Landesverrat wurde strafrechtlich nicht weiter nachgegangen, allerdings wurde Julius Examus unter Androhung "staatspolizeilicher Maßnahmen" untersagt, Brandstellen, "die durch feindliche Einwirkungen entstanden" waren, aufzusuchen. Zudem wurde ihm verboten, "freundliche Begrüßungen Arier gegenüber fallen zu lassen."

Am 21. Juli 1942 wurde Julius Examus im Alter von achtzig Jahren aus dem jüdischen Altersheim Düsseldorf mit dem Transport VII/1 Nr. 167 nach Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später, am 21. September 1942, wurde er in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Vom Internationalen Roten Kreuz wurde allerdings Maly Trostinec als zweiter Deportationsort angegeben. Dieser Transport umfasste 2002 Menschen. Nur einer von ihnen überlebte.

   

QUELLEN: LAV NRW OWL P 2 Nr. 8; LAV NRW Rheinland RW 58 Nr. 15706; Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf; StdA Düsseldorf; StdA Witten; StdA Mönchengladbach; StdA Krefeld; Beit Theresienstadt; www.holocaust.cz; Arolsen Archives

Zur Familiengeschichte Examus s. Joachim Kleinmanns: Die jüdische Familie Examus in Detmold. In: Rosenland 29/2024, S. 74 ff.

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DOKUMENTE

Dokument 1

Inhaftierungsbescheinigung für Julius Examus durch das Internationale Rote Kreuz, o.D. (Auszug a. d. Korrespondenzakte, 6.3.3.2-105576682-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2024

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