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Dienstag, 21. Juli 2026

E_Biographien

ERNSTING, Pauline Bertha Amalie, geb. Lehmann

Rufname: Paula

19.11.1892 in Niederschönhagen - 25.09.1976 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: evangelisch / Zeugin Jehovas
Ehemann: Friedrich Ernsting (12.08.1889 in Detmold - 29.04.1936 in Detmold)
Schwägerin: Elisabeth Ernsting

 

Wohnorte: Niederschönhagen
Oberschönhagen
30.07.1907 Detmold, Neustadt 6
01.07.1908 Detmold, Baumstr. 10
01.10.1908 Detmold, Lange Str. 29
01.11.1909 abgemeldet nach Niederschönhagen
21.03.1928 Detmold, Krumme Str. 5
08.1931 Detmold, Hans-Hinrichs-Str. 15

 

Paula Lehmann, verh. Ernsting zog als Fünfzehnjährige als sogenanntes Landmädchen nach Detmold. Hier heiratete sie Friedrich Ernsting und betrieb mit ihm ab 1924 eine eigene Bäckerei in der Hans-Hinrichs-Straße. Erste Kontakte zu den Ernsten Bibelforschern, die sich ab 1931 offiziell Zeugen Jehovas nannten, hatte sie ihren eigenen Angaben zufolge etwa 1921 durch einen persönlichen Missionsbesuch, doch erst drei Jahre später folgte sie einer Einladung zu einer Versammlung. Diese beeindruckte und überzeugte sie derart, dass sie umgehend erste eigene Missionsbesuche an Haustüren vornahm. 1931 konvertierten Paula und auch ihr Ehemann Friedrich Ernsting zu den Zeugen Jehovas und ließen sich in Schötmar taufen. Mit ersten Anfeindungen - unter anderem ob sie sich nicht schämte, den "Judennamen Jehova" zu tragen - wurde Paula Ernsting ab 1932 konfrontiert. Ab 1934 hielten das Ehepaar Ernsting Versammlungen in ihrem eigenen Haus ab und wurden fortan durch die Gestapo überwacht. Bereits wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1936 wurde Paula Ernsting im Rahmen der Verhaftungswelle dieses Jahres festgenommen (die Zeugen Jehovas wurden ab 1933 schrittweise, landesweit ab 1935 verboten) und Verhören durch die Gestapo unterzogen. Deren Versuchen, die Preisgabe von Namen weiterer Zeugen Jehovas zu erzwingen, widerstand sie. Ihre Überwachung wurde nach ihrer Entlassung fortgesetzt, da Paula Ernsting nun eine maßgebliche Rolle in der Untergrundtätigkeit der Zeugen Jehovas eingenommen hatte. So sorgte sie bei der illegale Vervielfältigung der Schriften wie dem "Wachturm" - es gab jeweils nur ein Exemplar aus Bad Salzuflen - für die notwendigen Materialien wie Papier, Druckerschwärze und Matrizen. Kopien dieser Schriften konnten im Konzentrationslager Wewelsburg von dort inhaftierten Zeugen Jehovas verdeckt angefertigt und über Mittelspersonen aus dem Lager geschafft werden. Paula Ernsting bot ein Versteck für die Kopien in ihrem Laden, der im Gegensatz zu ihrer Wohnung von der Gestapo nicht durchsucht wurde, und sorgte für die Verteilung der Schriften.

Paula Ernsting blieb trotz ihrer illegalen Tätigkeiten, anders als ihre Schwägerin Elisabeth, von Verhaftung und Lagerhaft verschont. Als Elisabeth Ernsting nach Jahren der Haft nach Detmold zurückkehrte, nahm sie Paula Ernsting für einige Monate bei sich im Haus auf, dessen Eigentümerin sie inzwischen geworden war.

Erst viele Jahre später, so im Jahr 1973, legte sie in zwei überlieferten Berichten ein eindrückliches Zeugnis ihres Widerstands ab.

Paula Ernsting starb in ihrem 84. Lebensjahr in Detmold.

   

QUELLEN : StdA DT MK, D 106 A Nr. 16204; Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für Paula Ernsting (StdA DT MK )

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2026

EXAMUS, David

geb. 06.06.1878 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Simon Examus (geb. 12.05.1834) und Bertha Examus, geb. Blank (geb. 14.04.1842)
Geschwister: Julius Examus (geb. 22.09.1861)
Gustav Examus (geb. 23.01.1864)
Albert Examus (geb. 07.06.1866)
Selma Examus (geb. 27.02.1869)
Bertha Gerson, geb. Examus (geb. 16.08.1874)
Martha Marianne Herzberg, geb. Examus (geb. 10.04.1875)
Rosa Examus (geb. 11.01.1877)
Else Wertheim, geb. Examus (geb. 05.02.1885)
Ehefrau: Emmy Examus, geb. Salomon
Tochter: Ursula Markus, geb. Examus (01.04.1914 - 04.04.1996)
Beruf: Kaufmann, Getreidehändler

 

Wohnorte: Detmold:
Mühlenstr. 8
13.04.1895 nach Elzen abgemeldet
06.04.1898 Mühlenstr. 8
25.09.1901 abgemeldet nach Barsinghausen
20.10.1903 Mühlenstr. 8
01.08.1905 Mühlenstr. 21 bei Müller
01.04.1910 Bahnhofstr. 2 bei Hartmann
Vermerk: war nicht abgemeldet vom Militär
18.12.1918 Bahnhoftsr. 4
01.04.1936 Woldemarstr. 10
02.01.1939 Paulinenstr. 23 bei Salomon
19.10.1939 Paulinenstr. 10 bei Hirschfeld
30.03.1942 "nach unbekannt abgemeldet"

 

Laut den Meldeunterlagen der Stadt war David Examus seit  April 1898 in Detmold ansässig. Die Familie war im Getreide- und Viehhandel tätig. David Examus trat am 27. Juli 1907 in die Getreidehandlung seines Bruders Gustav als Kompagnon ein. 1910 heiratete er Emmy Salomon. 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt.

1924 verließ David Examus die Firma seines Bruders und gründete einen eigenen Getreidehandel. Hinzu kam im selben Jahr Paul Eickelmann als persönlich haftender Gesellschafter, der zuvor ebenfalls in der Getreidehandlung von Gustav Examus am Kronenplatz gearbeitet hatte. Die Firma befand sich in der Wotanstraße 2 und wurde nun unter dem Namen "David Examus & Eickelmann" im Handelsregister eingetragen. Am 22. August 1933 schied Paul Eickelmann aus "rassisch-politischen Gründen" aus der Firma aus (Staatsanzeiger für das Land Lippe vom 25.11.1933), und David Examus war nunmehr alleiniger Inhaber. Im August 1935 wurde der Müller H. Tiemann denunziert in der Lippischen Staatszeitung wegen seiner Kontakte zu David Examus und Sally Blank aus Horn angeprangert und als "Judenknecht" diffamiert. Am 4. Januar 1937 wurde die Firma schließlich aus dem Handelsregister gelöscht. Nachdem David Examus seiner bisherigen beruflichen Existenz beraubt worden war, erwarb er ein Doppelhaus in der Moltkestraße 30, um dort ein Mädchenpensionat einzurichten. In der städtische Meldekartei findet sich unter Rubrik "Beruf" der Eintrag "Getreidehändler jetzt Hilfsarbeiter". David Examus musste nun in der Detmolder Matratzenfabrik Hermann Schnittger KG Zwangsarbeit leisten.

Bereits im Februar 1933 wurden "bei Examus", wie es hieß, Fensterscheiben eingeschlagen. Zwei Jahre später erging sich die Lippische Staatszeitung in Diffamierungen gegen die Familie Examus. Sein Wohnhaus, die sog. Sinalco-Villa in der Bahnhofstraße, verließ er 1936 zusammen mit seiner Familie. Als Vorbereitung für eine Emigration nach Südamerika besuchte David Examus mit zwei Angehörigen 1938 einen Spanisch-Sprachkurs. Zu einer Auswanderung kam es jedoch nicht. Während des Novemberpogroms wurde er und seine Frau Emmy verhaftet. Während Emmy Examus wieder frei kam, wurde ihr Mann nach Bielefeld überführt und in das Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 29037) gebracht, wo er bis zum 22. November 1938 inhaftiert war.
Zurück in Detmold wurde er am 30. März 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau von Detmold zunächst nach Bielefeld transportiert und einen Tag später von dort im Viehwaggon nach Warschau deportiert. David Examus war laut Zeugenaussage von Robert Levi aus Schlangen bereits im April des Jahres erkrankt und wurde in das sog. Krankenhaus im Ghetto eingeliefert: "Die Eheleute David und Emmi Examus gehörten zu den Detmolder Juden, die zusammen mit mir am 28. März 1942 nach Bielefel geschafft wurden und hier zu dem Transport - Hannover 2 - kamen, der nach Warschau ging. In Warschau haben beide Eheleue Examus zunächts mit mir in einem Zimmer gewohnt. Während ich alsbald nach Treblinka kam, blieben die Eheleute Examus noch in Warschau. Im Herbst 1942, als ich aus Treblinka geflohen war und wieder nach Warschau kam, habe ich mich nach dem Schicksal der Eheleute Examus erkundigt. Man sagte mir damals, dass David Examus bald nach meinem Abtransport - etwa im Juni oder Juli - verstorben ist. David Examus war nämlich schon krank, als ich am 9. April nach Treblinka transportiert wurde. Seine Ehefrau ist mit meiner ebenfalls umgekommenen Schwester zusammen gewesen. Beide haben bei der Firma Többens u. Schulz in Warschau gearbeitet. Während meine Schwester nach Treblinka kam, soll Frau Emmi Examus nach dem jüdischen Abeitslager Treblinka geschafft worden sein. Von der vorgenannten habe ich nichts mehr gehört und nehme wie in allen anderen Fällen mit Bestimmtheit an, dass sie dort umgekommen ist." (LAV NRW OWL D 23 AG Detmold Todeserklärungen Nr. 308)

Vom Amtsgericht Detmold wurden Emmy und David Examus 1950 für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Seine Tochter Ursula emigrierte 1934 nach England und ein Jahr später nach Palästina.

Seinem Bruder Gustav Examus gelang Anfang 1939 die Flucht nach Brasilien.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 2 C DT Nr. 104, 106, D 20 A Nr. 10243-10245, D 20 B Nr. 1020, 3759, D 23 Detmold Nr. 5160, D 23 Detmold Nr. 3985 9551, D 27 Nr. 231, 3065, D 87 Nr. 15; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 770; ZA B 1/34 Nr. 847, 857, 1061; Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 103 Nr. 770, 771, D 106 Nr. 50; Amtsblatt, 20.07.1907: HR (51) Eintritt des David Examus in die Fa. Gustav Examus
LZ , 23.07.1909: Verlobungsanzeige Emmy Salomon und David Examus
LZ, 01.04.1914: Geburtsanzeige einer Tochter durch David Examus und Frau Emmy, geb. Salomon
Staatsanzeiger, 16.07.1924: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus Eintrag. Handel in Getreide, Futtermittel etc.
hinzu als Gesellschafter Paul Eickelmann: Fa. David Examus & Eickelmann
Staatsanzeiger, 25.11.1933:HR (A 454), AG DT David Examus & Eickelmann
Ausscheiden des Paul Eickelmann
07.07.1934: Fa. geändert in David Examus
LStZ, 10.08.1935: "Ein Judenknecht in Remmighausen. Sally aus Horn und David aus Detmold gerngesehene Gäste"
LStZ, 14.08.1935: "Jud Examus als Rasseschänder"
Staatsanzeiger, 16.01.1937: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus, Detmold, ist erloschen

LITERATUR: Lettermann (1998), Lebensläufe (1993)

Zur Familiengeschichte Examus s. Joachim Kleinmanns, Die jüdische Familie Examus in Detmold. In: Rosenland 29/2024, S. 74 ff.

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Portrait: EXAMUS, David

Emmy und David Examus, o.J. (StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von David, Emmy und Ursula Examus (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Mitteilung von David Examus an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 15.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Dokument 3

ITS-Karteikarte von David Examus

 

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2024

EXAMUS, Emmy, geb. Salomon

geb. 12.08.1886 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Simon und Selma Salomon
Geschwister: Siegfried Salomon
Karl Salomon
Käthe Salomon
Martha Salomon
Ehemann: David Examus
Tochter: Ursula Markus, geb. Examus (01.04.1914 - 04.04.1996)

 

Wohnorte: Detmold:
18.12.1918 Bahnhofstr. 4
01.04.1936 Woldemarstr. 10
02.01.1939 Paulinenstr. 23 bei Salomon
19.10.1939 Paulinenstr. 10 bei Hirschfeld
30.03.1942 "nach unbekannt abgemeldet"

 

Emmy Salomon war die Tochter des Bankiers Salomon und wurde in Wiesbaden in einer Pension ausgebildet. 1910 heiratete sie den Getreide- und Viehhändler David Examus. 1914 kam die Tochter Ursula zur Welt. Ihre Familie war von Beginn der NS-Herrschaft zahlreichen Diffamierungen und Angriffen ausgesetzt. Während des November-Pogroms wurde Emmy Examus und ihr Mann verhaftet. Während sie frei wieder gelassen wurde, wurde ihr Mann nach Buchenwald gebracht, wo er bis zum 22. November 1938 inhaftiert war. Ihren Plan, nach Südamerika auszuwandern, vermochten sie nicht in die Tat umzusetzen.

Am 30. März 1942 wurde Emmy Examus zusammen mit ihrem Ehemann von Detmold zunächst nach Bielefeld transportiert und einen Tag später im Viehwagon nach Warschau deportiert. Während David Examus laut Zeugenaussage von Robert Levis aus Schlangen (Wortlaut s. Beitrag zu David Examus) bereits im April des Jahres erkrankte und in das sog. Krankenhaus im Ghetto eingeliefert worden war, musste sie Zwangsarbeit für die Fa. Többens und Schulz leisten. Dem Bericht zufolge wurde sie nach Treblinka deportiert.

Vom Amtsgericht Detmold wurden David und Emmy Examus 1950 für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

Ihre Tochter Ursula emigrierte 1934 nach England und ein Jahr später nach Palästina.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 1 Nr. 6141, D 2 C DT Nr. 104, 106, D 20 A Nr. 10243-10245, D 20 B Nr. 1020, 3759, D 23 Detmold Nr. 5160, D 23 Detmold Nr. 3985 9551, D 27 Nr. 231, 3065, D 87 Nr. 15; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 771; ZA B 1/34 Nr. 847, 857, 1061; Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: LAV NRW OWL D 103 Nr. 770, 771, D 106 Nr. 50; Amtsblatt, 20.7.1907: HR (51) Eintritt des David Examus in die Fa. Gustav Examus
LZ , 23.07.1909: Verlobungsanzeige Emmy Salomon und David Examus
LZ, 01.04.1914: Geburtsanzeige einer Tochter durch David Examus und Frau Emmy, geb. Salomon
Staatsanzeiger, 16.07.1924: HR (A 454), AG DT Fa. David Examus Eintrag. Handel in Getreide, Futtermittel etc.
hinzu als Gesellschafter Paul Eickelmann: Fa. David Examus & Eickelmann
Staatsanzeiger, 25.11.1933:HR (A 454), AG DT David Examus & Eickelmann
Ausscheiden des Paul Eickelmann
07.07.1934: Fa. geändert in David Examus
LStZ, 10.08.1935: "Ein Judenknecht in Remmighausen. Sally aus Horn und David aus Detmold gerngesehene Gäste"
LStZ, 14.08.1935: "Jud Examus als Rasseschänder"
Staatsanzeiger, 16.01.1937:HR (A 454), AG DT Fa. David Examus, Detmold, ist erloschen

LITERATUR: Lettermann (1998), Lebensläufe (1993)

Zur Familiengeschichte Examus s. Joachim Kleinmanns: Die jüdische Familie Examus in Detmold. In. Rosenland 29/2024, S. 74 ff.

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Portrait: EXAMUS, Emmy, geb. Salomon

Emmy und David Examus, o.J. (StdA DT DT V 19 Nr. 175)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Eintrag von Emmy Salomon im Poesiealbum von Frieda Schmidt. Detmold, 28. Juni 1902 (Sammlung Frank Budde, Detmold)

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte von David, Emmy und Ursula Examus (StdA DT MK)

 

Dokument 3

Mitteilung von Emmy Examus an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 15.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2024

EXAMUS, Julius

geb. 22.09.1861 in Heiligenkirchen b. Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Selma Examus, geb. Blank (geb. 14.04.1842) und Simon Examus (geb. 12.05. 1834)
Geschwister: Gustav Examus (geb. 23.01.1864)
Albert Examus (geb. 07.06.1866)
Selma Examus (geb. 27.02.1869)
Bertha Gerson, geb. Examus (geb. 16.08.1874)
Martha Marianne Herzberg, geb. Examus (geb. 10.04.1875)
Rosa Examus (geb. 11.01.1877)
David Examus (geb. 06.06.1878)
Else Wertheim, geb. Examus (geb. 05.02.1885)
Ehefrau, geschieden: (Bertha) Betty Examus, geb. Klein (05.02.1867 in Bommern - 27.12.1934 in Düsseldorf)
Töchter: Elisabeth Examus (geb. 19.09.1889)
Paula Margarethe Hamburger, geb. Examus (geb. 22.12.1891 in Witten)
Beruf: Kaufmann

 

Wohnorte: Heiligenkirchen
1888 Witten
1904 Düsseldorf, Benratherstr. 12
1905 Witten
19.07.1905 Mönchengladbach, Hindenburgstr. 104
26.04.1919 nach Krefeld, Oberstr. 100
01.12.1919 Krefeld, Nordtsr. 54
09.03.1920 Krefeld, Oberstr. 10
28.09.1931 Mönchengladbach-Rheydt, Hauptstr. 13
Von Krefeld, Malmedystr. 10
Mönchengladbach:
10.10.1931 Hauptstr. 13
05.01.1934 Hindenburgstr. 104
05.06.1937 Bismarckstr. 104
02.03.1939 Bismarckstr. 41
02.02.1942 Knopsstr. 31
03.06.1942 nach Düsseldorf, Grafenberger Allee 78 [Jüdisches Altersheim]
17.07.1942 "Abmeldung nach Theresienstadt/Prag"

 

Julius Examus besuchte bis zur 8. Klasse das Gymnasium und erlernte dann den Beruf des Kaufmanns. 1888 machte er sich in Witten selbstständig und handelte zunächst mit Konfektionswaren. In Witten heiratete er Bertha (Betty) Klein. Mit ihren drei Töchtern zogen sie 1904 nach Düsseldorf. Dort wurde die Ehe geschieden. Um 1900 gab er das Konfektionsgeschäft auf, nachdem er in Barmen bereits ein Schuhgeschäft betrieben hatte. Ein Jahr verbrachte Julius Examus in Holland. In Düsseldorf war er als Geschäftsführer tätig, bevor er in Mönchengladbach wiederum ein Schuhgeschäft betrieb.

Julius Examus war der Inhaber einer Schuhhaus-Kette (Schuhhaus J. Examus), das in mehreren Städten vertreten war. Bereits vor 1908 war er Mitinhaber oder Gründer des Gladbacher Schuhhauses "Examus" an der Hindenburgstr. 104. Eine weitere Filiale gab es u. a. in Rheydt an der dortigen Hauptstraße. Sein Schwiegersohn Karl Hamburger wurde Inhaber des Gladbacher Geschäfts, nachdem Julius Examus sich aus Altersgründen in den 1920er Jahren aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte. Im Laufe des Jahres 1937 gab die Familie das Gladbacher Geschäft auf und betrieb bis zum Novemberpogrom 1938 eine Handelsvertretung von Schuhwaren. Karl und Margarete Hamburger gelang am 9. Mai 1939 die Flucht nach Bolivien.

Durch die Gestapo-Akte der Gestapostelle Düsseldorf / Mönchengladbach von Julius Examus wird dokumentiert, dass er im Juli 1941 wegen des Verdachts auf Landesverrat denunziert wurde. Laut eigener Aussage wollte er nach einem Bombenangriff und den daraus entstandenen Zerstörungen sich bei dortigen Bewohnern u. a. nach dem Ergehen einer Bekannten erkundigen. Die Nachbarn reagierten allerdings mit Beschimpfungen, Drohungen und Denunziation. Dem Verdacht auf Landesverrat wurde strafrechtlich nicht weiter nachgegangen, allerdings wurde Julius Examus unter Androhung "staatspolizeilicher Maßnahmen" untersagt, Brandstellen, "die durch feindliche Einwirkungen entstanden" waren, aufzusuchen. Zudem wurde ihm verboten, "freundliche Begrüßungen Arier gegenüber fallen zu lassen."

Am 21. Juli 1942 wurde Julius Examus im Alter von achtzig Jahren aus dem jüdischen Altersheim Düsseldorf mit dem Transport VII/1 Nr. 167 nach Theresienstadt deportiert. Zwei Monate später, am 21. September 1942, wurde er in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Vom Internationalen Roten Kreuz wurde allerdings Maly Trostinec als zweiter Deportationsort angegeben. Dieser Transport umfasste 2002 Menschen. Nur einer von ihnen überlebte.

   

QUELLEN: LAV NRW OWL P 2 Nr. 8; LAV NRW Rheinland RW 58 Nr. 15706; Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf; StdA Düsseldorf; StdA Witten; StdA Mönchengladbach; StdA Krefeld; Beit Theresienstadt; www.holocaust.cz; Arolsen Archives

Zur Familiengeschichte Examus s. Joachim Kleinmanns: Die jüdische Familie Examus in Detmold. In: Rosenland 29/2024, S. 74 ff.

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DOKUMENTE

Dokument 1

Inhaftierungsbescheinigung für Julius Examus durch das Internationale Rote Kreuz, o.D. (Auszug a. d. Korrespondenzakte, 6.3.3.2-105576682-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

Details
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2024

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